Windkraft-Nutzung

Mit Drachen gegen Windmühlen

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Daniel Wetzel

Kleinmachnower Enerkite baut fliegende Kraftwerke. Test in Tempelhof

Premiere für eine neue Form der Windkraft-Nutzung auf dem Tempelhofer Feld in Berlin. Die Kleinmachnower Firma Enerkite hat ihren Energiedrachen „EK30“ zu einem ersten öffentlichen Demonstrationsflug in die Luft gebracht und damit erfolgreich Strom produziert. Die neue Technik verspricht eine sehr viel höhere Stromproduktion bei deutlich geringeren Kosten, als das bei herkömmlichen Windkraftanlagen der Fall ist. Der Energiedrachen wird durch eine computergesteuerte Winch in der Luft gehalten. Allein mit seiner Zugkraft produziert der „EK30“ elektrische Energie.

Wegen der stetigen Winde in rund 300 Metern Höhe kann die „Flugwindenergieanlage“ mit Hilfe der Computersteuerung fast das ganze Jahr hindurch kontinuierlich in der Luft gehalten werden. Die Entwickler sprechen von einer Stromproduktion mit 5000 Volllaststunden pro Jahr – das ist mehr als selbst mit den gigantischen Offshore-Windkraftanlagen auf hoher See erreicht werden kann.

Mit ihrem Energiedrachen spielt die von Luftfahrttechnikern gegründete Enerkite GmbH bei dem weltweiten Technologietrend „Airborne Wind Energy“ (AWE) ganz vorne mit. Mit ihrem Energiedrachen spielt die von Luftfahrttechnikern gegründete Enerkite GmbH bei dem weltweiten Technologietrend „Airborne Wind Energy“ (AWE) ganz vorne mit. Rund 200 Entwickler, Vertreter von Firmen, Forschungsinstituten und Universitäten treffen sich in diesen Tagen zur 5. Airborn Wind Energy Conference in Berlin. Fazit des Treffens: Bis zur Serienreife der neuen Stromerzeugungstechnologie ist es nicht mehr lange hin. Enerkite könnte zu den ersten gehören, die im Jahr 2015 mit einem Gesamtsystem auf den Markt kommen.

International ist bereits einiges in Bewegung geraden. Erst im Mai dieses Jahres hatte Google-Gründer Sergey Brin den US-Flugwind-Entwickler Makani Power übernommen. Im Unterschied zu Enerkite setzt Makani auf Konstruktionen, die Segelflugzeugen ähneln und Elektrizität mit Rotorblättern produzieren. Geplant sind Fluggeräte, die mit einer Spannweite von 65 Metern die Dimension von Passagierjets haben und eine elektrische Leistung von fünf Megawatt bereitstellen. Das entspricht der Kapazität von großen Offshore-Windkraftanlagen mit einer Turmhöhe von mehr als 120 Metern.

Enerkite setzt hingegen auf kleinere Anlagen mit bis zu einem Megawatt Leistung. Vorteil des Drachens: Turbine und jegliche Technik kann am Boden bleiben, muss nicht kraftzehrend in der Luft gehalten werden. Der Materialaufwand ist 95 Prozent geringer als bei Windturbinen auf Stahltürmen, der Landschaftsverbrauch sinkt entsprechend. Enerkite verfolgt damit ein ähnliches Konzept wie „Kite Power“ der Technischen Universität Delft. Der an einem Container oder einem Lkw installierte Flugdrache soll automatisch eingeholt und gestartet werden können.

Enerkite-Chef Alexander Bormann arbeitet mit Forschungsmitteln des Bundes und des Landes Brandenburg. Gespräche mit Investoren laufen. Geplant ist, die Entwicklung des Prototypen 2014 abzuschließen. 2015 könnte der EK30 als kommerzielles Produkt verfügbar sein und den „Windspargeln“ Konkurrenz machen.