Forschung

Kurze Fruchtbarkeit ist eine Besonderheit der Menschen

Menschen unterscheiden sich grundlegend von anderen Primaten – nicht nur, was kulturelle Belange angeht.

Auch ihre Biologie hat sich im Laufe der Evolution so entwickelt, dass sie als einmalig gilt: Frauen sind im Vergleich zu unseren nächsten Verwandten nur kurz fruchtbar. Aber warum ist das so?

Eine internationale Studie um Susan Alberts von der Duke University in Durham (North Carolina) hat bei Menschen und sieben verschiedenen Affenarten das Verhältnis von Reproduktionsspanne zur gesamten Lebenszeit untersucht. Dass Frauen nach ihrer fruchtbaren Phase weiterleben, ist eine Eigenschaft, die es bei anderen Primaten nicht gibt, schreiben die Forscher im Fachmagazin „PNAS“. Bei Frauen endet die gebärfähige Phase spätestens in der Mitte der Lebensspanne.

Ob dies bei unserer näheren Verwandtschaft einzigartig ist, war bislang umstritten. Um die Frage zu klären, verglichen die Forscher Populationen von sieben Affenarten, die seit Jahrzehnten in ihrer natürlichen Umgebung untersucht werden. Diese wiederum verglichen sie mit Frauen der !Kung. Diese Gruppe, die als Jäger und Sammler in der afrikanischen Kalahariwüste lebt, sei am ehesten den Menschen vor Einführung der Landwirtschaft vergleichbar.

Bei den Primaten – darunter Menschenaffen wie Schimpansen oder Gorillas – übersteigt die theoretische Reproduktionsspanne die übliche Lebenszeit. Viele Schimpansinnen sterben im Alter von etwa 39 Jahren, andere gebären aber noch mit 50 Jahren Junge. Bei den !Kung-Frauen dagegen endet die fruchtbare Zeit mit maximal 50 Jahren, viele leben noch einige Jahrzehnte länger. Die Diskrepanz zwischen langer Lebensdauer und kürzerer Reproduktionsphase erklären die Forscher nun damit, dass die Lebenserwartung des Menschen im Lauf der Evolution deutlich gestiegen sein muss. Damit konnte die fruchtbare Phase nicht Schritt halten.

Ob es bei Frauen eine feste Altersgrenze für die Fruchtbarkeit gibt, lassen die Forscher offen. Als Gegenbeispiel bei Säugetieren verweisen sie auf Elefantenkühe: Diese können noch bis zum Alter von 60 Jahren Nachwuchs zur Welt bringen. Das deute darauf hin, dass sich die Fruchtbarkeit zusammen mit der Lebensspanne ausdehnen könne. „Die Studie hat eine besondere Qualität“, sagt Tobias Deschner vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig. „Die Forscher haben sehr große Datensätze für sieben Affenpopulationen ausgewertet, die sehr lange Zeit beobachtet wurden. Solche Anhäufungen von Daten erweisen sich immer als unglaublich wertvolle Quelle.“