Esoterik

Das Versagen der Wahrsager: Den Euro gibt es immer noch

Astrologen und Hellseher lagen in diesem Jahr kräftig daneben

Alljährlich melden sich unzählige Hellseher und Astrologen, die das Weltgeschehen für das kommende Jahr vorhersagen. Und alljährlich überprüft am Ende eine Organisation, wie genau die Vorhersagen stimmten. Auch Ende 2012 kommt die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) wieder zu dem Ergebnis, dass die Wahrsager „auf ganzer Linie“ versagten. Die GWUP ist ein gemeinnütziger Verein von Naturwissenschaftlern, Medizinern, Ingenieuren und Mathematikern, die sich um Aufklärung zu Pseudowissenschaften bemühen. Dazu zählen die Experten unter anderem Astrologie, Wünschelrutengängerei, Kreationismus und Spiritismus, aber auch viele komplementärmedizinische Methoden.

Bei den Vorhersagen beobachtet die GWUP immer wieder ein Muster: Die Vorhersagen sind sehr vage gehalten, sodass der Wahrsager mit einiger Sicherheit richtig liegen muss. Oder die Prognose ist recht konkret, aber naheliegend. So war es nicht sehr gewagt, bei Prinz Williams Frau Kate eine Schwangerschaft vorherzusehen. Dies hatten unter anderem die in der „Szene“ bekannten Wahrsager Blair Robertson und Nikki Pezaro prophezeit. Pezaro und die Kartenlegerin Casia Cheyenne hatten dies aber auch schon für 2011 vorausgesagt. „Bis zur Niederkunft kann nun noch über das Geschlecht des Kindes spekuliert werden – hier gibt es immerhin eine Erfolgschance von 50 Prozent“, so GWUP-Mathematiker Michael Kunkel auf der Website der Skeptiker-Organisation. Unklar sei noch, ob sich die Parapsychologin Rosalinde Haller wieder eine Voraussage zutraue, „denn bei Victoria von Schweden lag sie mit ihrer Prognose ‚Es wird ein Bub‘ daneben“.

Als spektakulärste Prognosen fand die GWUP diese: Der Euro wird abgeschafft, der Vesuv bricht aus, die Olympischen Spiele in London werden von Terroranschlägen überschattet. Für die absurdesten Prophezeiungen des Jahres sorgte das Medium Nikki Pezaro: Vögel greifen Menschen an, Tiefseemonster tauchen auf, der Heilige Gral wird gefunden – einige ihrer Prognosen schienen „eher aus einem Hollywooddrehbuch zu stammen“, so Kunkel. Besonders die dramatischen Naturkatastrophen haben es vielen Spökenkiekern angetan. So sagte Kurt Allgeier vom Münchner Astroinstitut Katastrophen für Ende Juni und Mitte Juli voraus, „die wohl sogar noch heftiger sein werden, als wir sie zuletzt erlebt haben“. Andererseits gab es ja tatsächlich den Hurrikan „Sandy“ – wenn auch im Oktober. Doch eben weil es Hurrikane relativ häufig gibt, ist ihre allgemeine Voraussage keine Kunst. Eine Leistung wäre es, eine konkret betroffene Stadt zu benennen.

Die Astrologin Susanne Eder aus Niederösterreich wiederum sah für Juli Bombenattentate, Terroranschläge, Flugzeugunfälle und Vergleichbares dräuen. Solche Szenarien werden in den vergangenen Jahren häufig um dramatische wirtschaftliche Krisen ergänzt, hat Kunkel registriert. So prophezeiten die Hellseher nicht nur das Ende von EU und Euro, sondern auch eine Währungsreform, den Kollaps des Wirtschaftssystems sowie Aufstände in europäischen Hauptstädten, denen in Rom der Papst zum Opfer fallen sollte.

Die Fußball-EM war erstaunlich selten ein Thema. Die Wiener Hellseherin Rosalinde Haller prognostizierte das Ausscheiden der Deutschen in der Vorrunde – das bewahrheitete sich nicht. Doch immerhin lag sie bei den restlichen Viertelfinalisten richtig. Ein Erfolg der Hellseherin ist das nicht unbedingt, sagt Kunkel: „Wer nach einer langen Liste von Fehlprognosen einmal halbwegs richtig liegt, kann nicht von sich behaupten, in die Zukunft sehen zu können.“ Die meisten Sterndeuter hielten sich ohnehin von exakten, prüfbaren Prognosen fern und prognostizierten bestenfalls Ungefähres von Spiel zu Spiel.