Tiere

Schimpansen-Chefs sind nicht teamfähig

In komplexen Situationen können sie nicht zum Wohle aller entscheiden

Wie einigen sich Menschen in Teams? Sie stimmen demokratisch ab oder diskutieren, und der Chef bestimmt am Ende die Vorgehensweise. Der zweiten Variante neigen auch Schimpansen zu, sagen Forscher des Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Zumindest in einfachen Situationen nehmen die dominanteren Tiere das Heft in die Hand, um der ganzen Gruppe zu einem Vorteil zu verhelfen. In großen Gruppen und komplexen Situationen funktioniert das aber nicht mehr, Experimenten zufolge haben sie nur limitierte Mittel, ein „Problem kollektiven Handelns“ zu überwinden, so die Forscher im Journal „Proceedings of the Royal Society B“.

Das Team um Michael Tomasello machte seine Studien mit zwölf Schimpansen. Im ersten Experiment musste ein Knopf gedrückt werden, um Tröge mit Saft für alle zu füllen. Im zweiten Versuch mussten zwei Affen an einem Seil ziehen, damit es in einem Nachbarraum Erdnüsse regnete. Die Forscher stellten die Hypothese auf, dass ranghöhere Tiere generell zum Handeln neigen, während rangniedrigere Tiere passiver bleiben und nehmen, was sie bekommen können.

Beim Saft-Experiment mit jeweils Dreiergruppen habe sich gezeigt, dass tatsächlich eher die ranghöheren Tiere handelten – sie sorgen dafür, dass der Saft strömt. Davon profitierte die ganze Gruppe, das Problem kollektiven Handelns war überwunden. Beim Erdnuss-Experiment mit sechs Schimpansen, in dem einerseits Kooperation nötig war und sich die Belohnung in Form von Nüssen auch noch wild im Raum verteilte, brach dieses Muster zusammen. Stattdessen lernten die dominanteren Tiere schnell, an welcher Stelle im Raum es Nüsse regnete – und postierten sich davor. Das Problem kollektiven Handelns wurde nicht gelöst.

Für die Forscher war das Experiment spannend, weil bis heute nicht geklärt ist, wie Affen in freier Wildbahn in Gruppen jagen. Auch die Jagd – etwa auf andere Affen – kann ein „Problem kollektiven Handelns“ sein, denn die aktiven Jäger tragen ein größeres Risiko, sich zu verletzen. Das verleitet zum Trittbrettfahren – Zurückhaltung bei der Jagd, aber Mitfressen am Ende. Das menschliche Leben sei voller solcher Probleme, bei denen Einzelne den Impuls haben, andere die Arbeit machen zu lassen“, sagt Tomasello. „Längerfristig unterminiert das aber die Zusammenarbeit, weil die Menschen den Trittbrettfahrern ihr Verhalten übel nehmen. Daher ist alles, was wir über Vorgänge im Zusammenhang mit Problemen kollektiven Handelns herausfinden können, sehr wichtig.“