Gesundheit

Bewahrt eine Zuckersteuer die Deutschen vor Diabetes?

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Etwa 7,5 Millionen Deutsche leiden an der Wohlstandskrankheit Diabetes – fast jeder Zehnte.

Nur eine Minderheit leidet am genetisch bedingten Typ-1-Diabetes, der schon im Jugendalter ausbricht. Bei der Mehrheit spielen neben dem Alter Bewegungsmangel und zu üppige Ernährung die Hauptrollen. Und es werden weltweit in jedem Jahr drei Prozent mehr Erkrankte.

„Wir scheinen die Schlacht zu verlieren“, sagt Professor Andreas Pfeiffer, Hormon- und Ernährungsmediziner an der Charité sowie derzeit Gastgeber von 18.000 Experten beim Europäischen Diabetes-Kongress in der Hauptstadt. Die Leute wissen eigentlich über die Krankheit und ihre Entstehung Bescheid und was zu tun wäre, aber sie tun es nicht.“

Was könnte die Menschen zu einem gesünderen Verhalten anregen? Wirksame Anreize, sagt der Mediziner und nennt ein Beispiel unter vielen notwendigen: „Es müssten mehr Fahrradwege gebaut werden, die dazu animieren, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Und wir müssen die Eltern davon überzeugen, ihre Kinder nicht mit dem Auto zur Schule zu bringen, sondern sie radeln zu lassen, sofern der Schulweg sicher ist.“ Politikaufgabe müsse es auch sein, für gesunde, schmackhafte und zugleich preisgünstige Lebensmittel zu sorgen. Sich gesund zu ernähren dürfe keine Frage des Geldes sein. Aber auch die Werte müssten sich entwickeln. „Es muss akzeptiert sein, dass weniger Kalorien zu sich zu nehmen, ein Wert an sich ist.“

In Dänemark ging man den Weg der steuerlichen Negativanreize: Eine Fettsteuer macht dort ungesunde Lebensmittel teurer. Bereits vor Jahren hatten Forscher der Universität Oxford gesagt, dass eine Steuer auf fett-, zucker- und salzreiche Nahrungsmittel allein in Großbritannien 3200 Todesfälle durch Herzinfarkt und Schlaganfall vermeiden könnte. Pfeiffer ist skeptisch: „In Dänemark hat das nichts gebracht.“ Bleibt wohl doch nur die Langfriststrategie, gesundes Essen zum „In-Verhalten“ zu wandeln und fett- und zuckerreiches Essen als „out“ zu brandmarken.

( wom )