Forschung

„Gaba gaba“ für die Forschung

| Lesedauer: 2 Minuten

Babys liefern Potsdamern Hinweise auf den frühkindlichen Spracherwerb

„Experiment läuft“ steht an einer Bürotür auf dem Universitätscampus in Potsdam-Golm. Dahinter konzentriert sich Hermine Ebell auf die Klänge von einer CD. „Gaba, gaba, gaba“, tönt es aus einem Lautsprecher. Die zehn Monate alte Potsdamerin hilft bei der Sprachforschung. Mit ihren Reaktionen gibt sie den Wissenschaftlern des Baby-Labs Hinweise zum Spracherwerb von Kindern.

1996 öffnete das Baby-Lab als erstes seiner Art in Deutschland, wie Professorin Barbara Höhle, die wissenschaftliche Leiterin, sagt. Heute gibt es vergleichbare Einrichtungen auch in Göttingen und Konstanz, in Spanien, Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien. In den mittlerweile sechs Laboren in Potsdam mit 20 Mitarbeitern wird nicht nur das Sprachverständnis von Kindern erforscht, sondern auch die Informationsverarbeitung.

Hermines Testreihe ist Teil eines Studienprojektes der Universitäten in Potsdam und Paris. Die Wissenschaftler wollen herausfinden, wie und wann Babys Betonung, Sprachmelodie und -duktus verarbeiten. „Mehrere hundert Kinder haben bereits teilgenommen“, sagt Tom Fritzsche, der Psychologisch-Technische Assistent des Labors. Bis zu acht Minuten würden ihnen Silben oder Sätze vorgespielt und ihre Reaktionen per Kamera beobachtet. Erkennen die Babys vertraute Betonungsmuster, drehen sie in der Regel ihren Kopf zum Lautsprecher. Die Forscher messen, wie lange die Kinder dem akustischen Reiz zuhören.

Hermine horcht immer dann auf, wenn der „Gaba“-Singsang auf der ersten Silbe betont wird. „Das entspricht der deutschen Sprachmelodie und ist Hermine vertraut“, erklärt Fritzsche. Im Französischen sei es umgekehrt. Die Betonung liege meist auf der zweiten Silbe. Auf das entsprechende „Gabá“ reagiert Hermine nicht. Im Alter von sechs bis sieben Monaten beginnen Babys, den Unterschied herauszufiltern, wie Fritzsche sagt.

Das deutsch-französische Projekt läuft drei Jahre lang bis 2013. „Wir hoffen auf eine Verlängerung“, sagt Barbara Höhle. Bislang seien in dem Projekt Kinder beobachtet worden, die einsprachig aufwüchsen. Doch wie verhielten sich Kinder, die bilingual aufwüchsen? Festgestellt haben die Forscher bereits, dass Probleme beim Erlernen einer Muttersprache bereits im Alter bis zu zwölf Monaten erstmals auftreten und nicht erst im Alter zwischen drei und fünf Jahren.

( dapd )