Interview

"Keine Engpässe beim Trinkwasser in Berlin"

Hat unsere Region genug Wasser? Heute und im Jahr 2050? Das fragte Wolfgang W. Merkel Bodo Weigert. Der Ingenieur ist stellvertretender Geschäftsführer der Kompetenzzentrum Wasser Berlin gGmbH.

Dort arbeiten Forscher von Hochschulen, Wasserversorgungsunternehmen und die Technologiestiftung Berlin an Konzepten für eine sichere Wasserversorgung, Abwasserbehandlung und Gewässerreinhaltung.

Berliner Morgenpost: Müssen wir um die Wasserversorgung in der Region bangen?

Bodo Weigert: Wenn wir vom Trinkwasser sprechen, dann ist das kein Thema - wir haben hier genug. In den vergangenen zehn bis 15 Jahren ist der Verbrauch enorm zurückgegangen. Nach der Wende gab es einen rapiden Einbruch, verursacht durch den starken Rückgang des Industriewasserbedarfs und der Nachfrage in den Haushalten. Nach und nach wurden Haushaltsgeräte, die viel Wasser verbrauchen, durch Wasser sparende Geräte ersetzt,. Auch Toilettenspülungen wurden auf moderne Wassersparstandards umgestellt. Die Folge war, dass einige Wasserwerke schließen mussten. Das hatte wiederum zur Folge, dass die Grundwasserstände in der Umgebung dieser Wasserwerke angestiegen sind - was einige Hausbesitzer gar nicht freut.

Berliner Morgenpost: Ist Wassersparen im Haushalt hierzulande also ökologisch unsinnig?

Bodo Weigert: Wassersparen ist immer ökologisch sinnvoll. Weniger Wasserverbrauch bedeutet auch weniger Energieaufwand, das Wasser zu transportieren. Die Wasserversorger stehen dabei aber vor dem Problem, bis zu welchem Grad sie die bestehende Wasserinfrastruktur effizient betreiben können.

Berliner Morgenpost: Wie ist die Wasserqualität in Berlin?

Bodo Weigert: Dem Berliner Wasser aus dem Hahn wird regelmäßig eine sehr gute Qualität bescheinigt. Das Trinkwasser wird aus dem Grundwasser gewonnen, was durch Deckschichten vor Verunreinigungen geschützt ist. Berlin ist die einzige Metropole weltweit, die es schafft, ihr Trinkwasser komplett aus dem eigenen Stadtgebiet zu gewinnen, und die auch kein Chlor zur Desinfektion verwenden muss.

Berliner Morgenpost: Verändert der Klimawandel die Wasserversorgung und -entsorgung in der Region?

Bodo Weigert: Die Prognosen gehen davon aus, dass die Niederschläge und damit die transportierte Wassermenge weiter abnehmen. Unsere Region ist mit 500 Millimetern Niederschlag pro Jahr schon die trockenste in Deutschland. Wir gehen aber davon aus, dass die Niederschläge unregelmäßiger fallen und die Sommerregen heftiger werden. Nach Gewittern fließt das Wasser rasch ab, ohne dass es versickern könnte. Daher kann es in solchen Fällen immer wieder dazu kommen, dass die Kanalisation an ihre Kapazitätsgrenzen stößt.

Berliner Morgenpost: Was kann man tun, um die abfließenden Wassermassen zu bändigen?

Bodo Weigert: Ein Problem sind vor allem die Regenabläufe aus überbauten Siedlungsgebieten. Man muss versuchen, dieses Wasser durch Versickerung oder Speicherung zurückzuhalten. Man kann etwa Parkplätze so gestalten, dass das Wasser versickert. Dächer können begrünt werden, so dass sie Wasser zurückhalten, und Zisternen können Wasser speichern, das man dann zur Gartenbewässerung nutzen kann.

Berliner Morgenpost: Wie kommen wir zurecht, wenn es, wie zu erwarten, trockener wird?

Bodo Weigert: In den Szenarien zur Trinkwasserversorgung wird es auch in Zukunft keine Engpässe beim Trinkwasser in Berlin geben. Die Landwirtschaft in Brandenburg wird aber bei zunehmender Trockenheit und unregelmäßigeren Niederschlägen sicherlich zu kämpfen haben und muss sich unter Umständen auf neue Anbauprodukte und -methoden konzentrieren. Im Moment ist die Diskussion noch im Gang, welche Maßnahmen notwendig sind. Schon heute haben die überwiegenden Flächen in Brandenburg eine negative Wasserbilanz. Es verdunstet mehr, als über Niederschläge im Boden gehalten wird. Eine Ursache liegt an den Nadelbäumen, die viel mehr Wasser verdunsten als Laubbäume. Eigentlich wäre es schon jetzt für Brandenburg klimagerechter, wenn es mehr Laubwälder gebe. In der Landwirtschaft denkt man intensiv darüber nach, wie man gereinigtes Abwasser zur Bewässerung verwenden könnte.