Medizin

Risiko Vorhofflimmern

Hierzulande stirbt rund alle fünf Minuten ein Mensch am plötzlichen Herztod. Die Ursache sind in den allermeisten Fällen schnelle Herzrhythmusstörungen wie beispielsweise ein Kammerflimmern. Herzrhythmusstörungen sind in aller Regel die Folge von Erkrankungen der Herzkranzgefäße oder des Herzmuskels.

Doch auch Bluthochdruck und eine Überfunktion der Schilddrüse können hier dabei eine Rolle spielen. Bisweilen sind Herzrhythmusstörungen auch eine Folge von angeborenen Herzfehlern. Jedes 100. Baby kommt mit einem mehr oder weniger schlimmen Herzfehler zur Welt. Bei rund 39 Prozent der Babys wird der Herzfehler bereits vor der Geburt festgestellt.

Eine Form von Herzrhythmusstörungen ist das sogenannte Vorhofflimmern, bei dem die Vorhöfe des Herzens unregelmäßig schlagen. Weil das Vorhofflimmern im Gegensatz zum Kammerflimmern nicht unmittelbar lebensbedrohlich ist, wird diese Erkrankung oft unterschätzt. Die Symptome sind überdies recht unspezifisch: Müdigkeit, Schlafstörungen, Herzklopfen, Schwindel, Ohnmachtsanfälle oder die bewusste Wahrnehmung des eigenen Herzschlags. Die meisten Vorhofflimmer-Attacken werden von den Patienten indes gar nicht bemerkt.

Immerhin 300 000 Menschen sind in Deutschland vom Vorhofflimmern betroffen. Die eigentliche Gefahr ist für sie eine deutliche Erhöhung des Risikos für einen Schlaganfall. Durch das ungleichmäßige Schlagen der Vorhöfe können sich nämlich an der Herzwand leichter Blutgerinnsel festsetzen. Wenn sich diese ablösen und über die Blutbahn in das Gehirn gelangen, können sie dort zu Verschlüssen von Gefäßen führen und damit einen Schlaganfall auslösen. Menschen mit Vorhofflimmern haben ein fünffach höheres Risiko für Schlaganfälle, und bei nahezu jedem Dritten Schlaganfallpatienten wird bei der Untersuchung in der Klinik festgestellt, dass er bereits unter Vorhofflimmern litt.

Verengungen in den Herzkranzgefäßen können dazu führen, dass das Herz mehr Kraft zum Pumpen aufwenden muss, wodurch sich die Herzwand verdickt und sich der linke Vorhof vergrößert. Dies wiederum fördert das Entstehen von Vorhofflimmern. Eine nicht richtig auskurierte Grippe kann zu einer Entzündung des Herzmuskels und damit zu einer chronischen Herzschwäche führen. Die Ursachen für Herzrhythmusstörungen sind vielfältig.

Auf dem 5. Medizinforum der Friede-Springer-Herzstiftung steht am 7. Juni das Thema Vorhofflimmern im Vordergrund. Namhafte Experten werden den aktuellen Stand der Forschung und Praxis referieren, die Ursachen und Symptome des Vorhofflimmerns sowie die heute zur Verfügung stehenden Behandlungsmethoden erklären. Ein Klassiker bei der medizinischen Behandlung von Patienten mit Vorhofflimmern ist die Gabe blutverdünnender Medikamente. Sie sollen die Entstehung von Blutgerinnseln (Thromben) verhindern und so einem Schlaganfall vorbeugen. Besonders bekannt sind hier die Medikamente Phenprocoumon (Marcumar) und Acetylsalicylsäure (Aspirin). In den vergangenen Jahren haben jedoch verschiedene Pharmaunternehmen eine Reihe von neuen Substanzen (Edoxaban, Rivaroxaban, Dabigatran) entwickelt, mit denen sich Schlaganfälle möglicherweise effektiver verhindern lassen können. Erste Studien deuten darauf hin.

Es ist allerdings in manchen Fällen auch möglich, das Vorhofflimmern mithilfe kleiner Elektroschocks zu regulieren. Bei der sogenannten Ablationstherapie werden wiederum jene Stellen, die den Reiz für das Vorhofflimmern auslösen durch eine Isolationslinie voneinander getrennt. Diese Operation ist in der Regel die letzte Option, wenn alle anderen Maßnahmen erfolglos geblieben sind.

Wissenschaftler am Massachusetts General Hospital in Charlestown konnten in einer Studie mit mehr als 4400 Probanden nachweisen, dass es beim Auftreten von Vorhofflimmern eine genetische Komponente gibt. Wer einen Verwandten ersten Grades mit Vorhofflimmern hat, besitzt ein um 40 Prozent erhöhtes Risiko, selber an dieser Herzrhythmusstörung zu erkranken. Die genauen Zusammenhänge sind hier allerdings noch unklar. Es könnte sein, dass die genetische Disposition die Wahrscheinlichkeit für Krankheiten erhöht, die dann wiederum die Ursache für das Vorhofflimmern sind.

Dass Omega-3-Fettsäuren - wie von manchen gehofft - eine positive Wirkung bei Patienten mit Vorhofflimmern haben könnten, konnte bislang nicht bestätigt werden. Eine Studie von Wissenschaftlern des Main Line Health Heart Center in Wynnewood mit rund 650 Probanden fand jedenfalls keinen Zusammenhang.

Wenn Sie als Leser der Berliner Morgenpost am Medizinforum zum Thema Vorhofflimmern teilnehmen möchten, dann melden Sie sich bitte mit dem nebenstehenden Coupon an. Dort können Sie auch eine Frage einreichen, die Sie besonders interessiert. Auf dem Forum werden dann möglichst viele dieser Fragen von den Experten beantwortet. Einige Tage später werden in der Berliner Morgenpost die wichtigsten Antworten zum Nachlesen veröffentlicht.