Studie

Kurz in der Klinik heißt oft länger krank

Deutsche Krankenhauspatienten werden nach einer neuen Langzeitstudie häufig viel zu früh in die Reha weitergereicht. Der Medizinökonom Professor Wilfried von Eiff kritisierte in Münster die Auswirkungen des sogenannten Fallpauschalensystems.

Durch dieses System werde die Zeit im Krankenhaus im Schnitt immer kürzer. "Als Konsequenz ist die Zahl der Patienten gestiegen, die bei Aufnahme in die Reha vermehrt unter Komplikationen leiden sowie einen deutlich verschlechterten Gesundheitszustand aufweisen."

Laut Eiffs Redia-Studie gleicht jedoch die Qualität der Reha-Medizin das Manko noch aus. Die Physiotherapie habe sich auf die schlechteren Bedingungen eingestellt. Patienten würden im Schnitt daher so gesund entlassen, wie es schon zu Beginn der Untersuchung zu messen war.

Das 2004 eingeführte Fallpauschalensystem vergütet Leistungen pro Behandlungsfall und unabhängig vom Zeitaufwand. "Die Krankenhäuser haben erwartungsgemäß darauf reagiert: mit minimalinvasiven Eingriffen sowie der Verkürzung der Verweildauer. Alles mit dem Ziel, die Kosten je Patient zu senken", sagte von Eiff.

So bleiben Patienten nach Hüftoperationen im Schnitt nur noch 12,5 Tage in der Klinik, während es 2003 laut Studie noch 17,3 Tage waren. Die Rückkehr ins Klinikbett aufgrund von Komplikationen oder mangelnder Reha-Fähigkeit kommt laut Studie inzwischen doppelt so häufig vor wie 2003. Neben der Fallpauschale wird in der Redia-Studie hier allerdings auch das gestiegene Alter der Patienten als weiterer Einflussfaktor aufgeführt.

Der Wissenschaftler empfiehlt der Gesundheitspolitik, eine integrierte Versorgung wieder attraktiv zu machen. "Ich plädiere für eine Übergangsstation in Krankenhäusern", sagte von Eiff bei der Vorstellung seiner Studie. Kliniken sollten ihre Patienten so von der Ambulanz bis zur Reha begleiten. "Das ist natürlich aufwendiger, aber gut für die Patienten."

Die Redia-Studie (die Abkürzung steht für "REhabilitation and DIAgnosis related groups") hat im Zeitraum seit 2003 rund 2290 Patienten in 27 Einrichtungen untersucht. Die Untersuchung wurde unter anderem von der deutschen Rentenversicherung gefördert.