Notrufsysteme

Wenn das Auto Hilfe holt: EU plant den Notruf "eCall"

Es ist ein düsteres Szenario: Das Auto kommt nachts von der Straße ab und überschlägt sich. Der Fahrer liegt schwer verletzt im Wrack - doch niemand ist da, der einen Notarzt rufen könnte. Um in einer solchen Situation Hilfe zu garantieren, will die EU bis 2015 das automatische Notrufsystem "eCall" für alle Neuwagen einführen.

Experten rechnen mit jährlich bis zu 2500 Verkehrstoten weniger in Europa. Das Prinzip ist einfach: Bei einem Unfall registriert das Notrufsystem, wenn die Airbags auslösen. Es übermittelt den exakten Standort an die nächstgelegene Rettungsleitstelle. Von dort wird eine Sprachverbindung ins Auto hergestellt, um ein eventuelles Fehlsignal auszuschließen. Ein Fahrer kann auch selbst einen Notfallknopf drücken, etwa wenn er einen Unfall beobachtet.

Unabhängig vom geplanten EU-Standard bieten einige Fahrzeughersteller schon Notrufsysteme an. BMW leistet seit 1997 mit dem Rettungsassistenzsystem "Connected Drive" schon lange etwas, das mit "eCall" in Zukunft jedes Auto können soll: Im Falle eines Crashs übermittelt das System die Positionsdaten und Informationen zu Schwere und Art des Unfalls. Mehr als 600 000 Autos seien mit dem System ausgestattet. Auch "Volvo On Call" informiert selbstständig über den Standort des Autos, wenn ein Airbag oder Gurtstraffer auslöst. "Peugeot Connect SOS" oder "Citroën Notruf" sind vergleichbar. Alle Systeme haben gemeinsam, dass sie nur in bestimmten Ländern funktionieren und dass der Alarm erst die Zentrale des Autobauers erreicht. Diese ruft dann den Notarzt.

Bei "eCall" sollen die gesendeten Informationen irgendwann auch Patientendaten enthalten. Der Notarzt weiß dann zum Beispiel, wenn ein Fahrer blutverdünnende Medikamente nimmt.