Gesundheit

Kliniken: Wo arbeiten die Spezialisten?

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Ina Brzoska

Egal ob Kranke ein künstliches Kniegelenk brauchen, das Frühchen operiert oder das Raucherbein therapiert werden muss: Bei der Auswahl eines geeigneten Krankenhauses fällt Berlinern die Auswahl oft schwer - sind es doch rund 60 an der Zahl. Um Patienten eine bessere Orientierung zu geben, hat der Senat nun erstmals Fallzahlen von mehreren wichtigen Behandlungen veröffentlicht.

Vor planbaren Operationen kann sich nun jeder im Internet informieren, in Notfällen sollen Listen schnelle Orientierung geben.

Wer beispielsweise ein künstliches Hüftgelenk braucht, kann anhand der veröffentlichten Fallzahlen erkennen, dass das Evangelische Fallkrankenhaus Spandau die meisten Patienten behandelt. Die meisten Operationen bei Säuglingen nahm die Charité vor. "Wir wollen nicht nur zeigen, wer in den Krankenhäusern was macht", sagt Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher. Die Fallzahlen ließen auch Rückschlüsse auf Spezialisierungen zu und die diene Patienten und Ärzten. "Die Kliniken haben so langfristig die Möglichkeit, ihre Qualität zu steigern", sagte Lompscher.

Die neue Veröffentlichung der Fallzahlen soll auch in akuten Notfällen zum Einsatz kommen. Etwa, wenn jemand einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erleidet. Rettungsdienste werden mit Listen ausgestattet, um Patienten schnellstmöglich nicht nur ins nächste, sondern auch in ein geeignetes Krankenhaus zu bringen.

400 neue Kniegelenkimplantate

Bereits in den letzten Jahren konnten sich Krebspatienten im Internet darüber informieren, in welchem Berliner Krankenhaus welche Krebsart wie häufig operativ behandelt wurde. Diesen Transparenz-Service erweitert der Berliner Senat nun erstmals auf weitere medizinische Fachbereiche. "Wir haben lange diskutiert und uns für diese, von uns als wichtigste erachtete Behandlungen entschieden", sagte Frank Schieritz, der in der Gesundheitsverwaltung für die Krankenhausplanung zuständig ist.

Auf vielen Feldern ist die Charité führend. Sowohl bei Schlaganfällen als auch bei akutem Herzinfarkt ist der Campus Benjamin Franklin an der Spitze, bei der Behandlung von Frühchen und der Therapie seltener Krankheiten bei Kindern ist das Virchowklinikum führend.

Mindestens 50 Operationen im Jahr

Zu den häufigsten planbaren Operationen zählt unter anderem die Implantation künstlicher Kniegelenke. In 2009 gab es das im Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau 408 Mal. In diesem Fall, so Schieritz, könne das durchaus als Qualitätsmerkmal gewertet werden, denn auf diesem Sektor ist bundesweit vorgeschrieben, dass mindestens 50 Operationen pro Jahr erbracht werden müssen, um einen gewissen Standard gewährleisten zu können. Die Zahlen geben auch Informationen über Spezialisierungen, ein Beispiel sei das Campus Virchow-Klinikum der Charité. Dort hat man sich auf Korrekturoperationen von Mund-Kiefer-Gaumenspalten bei Säuglingen spezialisiert, die bundesweit geschätzt und anerkannt ist.

Die Grafiken, die der Berliner Senat erstellt hat und die in der Berliner Morgenpost vereinfacht dargestellt sind, basieren auf Abrechnungsdaten der Krankenhäuser aus dem Jahr 2009, den sogenannten InEK-Daten. Sie sollen fortan jährlich aktualisiert werden. Den Vorwurf, dass kleinere Kliniken bei dieser Veröffentlichung zu kurz kommen, entkräftet Schieritz. Bei arterieller Durchblutungsstörung beispielsweise, seien kleinere Berliner Häuser führend. Das Franziskus-Krankenhaus, das DRK Mitte und das Hubertus-Krankenhaus behandelten 2009 die meisten Patienten, die über chronische Störung der Durchblutung der Beinarterien klagten.

Ärztekammer ist skeptisch

Die Ärztekammer sieht die Veröffentlichung der Fallzahlen mit einer gewissen Skepsis, ohnehin spricht sie sich gegen Mindestmengen bei Operationen aus. "Die Zahlen bieten eine gewisse Orientierung, dabei sei aber nicht garantiert, dass es sich gleich um die besten Krankenhäuser handele", sagte ein Sprecher. In Berlin gebe es viele kleinere Kliniken, die hoch spezialisiert sind, aber in den Statistiken nicht auftauchen.