Essen ist die beste Medizin

"Die Nahrung soll euer Heilmittel, die Heilmittel sollen eure Nahrung sein." So sagte es der griechische Arzt Hippokrates vor fast 3000 Jahren.

"Die Nahrung soll euer Heilmittel, die Heilmittel sollen eure Nahrung sein." So sagte es der griechische Arzt Hippokrates vor fast 3000 Jahren. Sein Satz erfährt wieder eine bemerkenswerte Renaissance. Nicht nur daß die wissenschaftliche Medizin immer mehr Belege dafür findet, daß Krankheiten wie Diabetes, Rheuma und Krebs mit dem Ernährungsstil zusammenhängen. Es mehren sich Hinweise darauf, daß selbst einzelne Nahrungsmittel als Arznei wirken.

Die meisten "kulinarischen Therapeuten" finden sich unter den Gewürzen und Küchenkräutern. So lindert Ingwer Fönbeschwerden und Reiseübelkeit, während Curcuma antibiotisch, entzündungshemmend und als "Entleerer" der Gallenblase wirkt. In einem kanadischen Experiment verdünnte er die zähen Drüsensekrete von Mukoviszidose-Kranken; Frankfurter Forscher entdeckten, daß Curcuma die Freisetzung von Zytokinen hemmt, die als Hauptauslöser der Schuppenflechte gelten. Die innerliche Anwendung erfolgt am besten über Curcuma-Extrakte aus der Apotheke. Äußerlich aber - bei Hautentzündungen - hilft auch eine Paste aus einem Eßlöffel Speiseöl und einem Teelöffel Curcumapulver.

Salbei (Salvia officinalis) hilft bei Husten, Zahnfleischentzündungen und Halsschmerzen sowie bei übermäßiger Schweißbildung. Und das Gehirn profitiert davon, daß Salbei bestimmte Botenstoffe anspricht: In einer Studie der Universität Teheran verzögerte er sogar den geistigen Verfall von Alzheimer-Patienten. Salbei-Tee bringt jedoch als Heilmittel nur wenig, da die Hauptwirkstoffe der Pflanze nicht wasserlöslich sind. Zur innerlichen Anwendung eignen sich die Präparate, zur äußerlichen die Salben und das ätherische Salbeiöl (verdünnt mit fünf Teilen Olivenöl).

Dillsamen wurden früher den Kleinkindern verabreicht, damit sie beim Gottesdienst schön ruhig blieben. In der Küche dominieren aktuell die Dill-Blätter. Deren Trockenmasse besteht zu sieben Prozent aus Mineralien - ein Rekordwert, der die Einnahme von Mineralientabletten als Nahrungsergänzung überflüssig macht.

Jenseits der Küchenkräuter und Gewürze ist es der Joghurt, der in die Hausapotheke gehört. So fanden chinesische Forscher heraus, daß er die kindliche Körperentwicklung unterstützt. Sie verabreichten in einem Test 402 Vorschulkindern neun Monate lang entweder 125 Gramm Joghurt täglich oder ein wirkungsloses Plazebo. Die "Joghurt-Kinder" zeigten nicht nur ein ausgeprägteres Längenwachstum, sondern erkrankten auch seltener an den Atem- und Verdauungswegen.

Zudem bindet Joghurt faulig riechende Schwefelwasserstoffe und kann so gegen Mundgeruch helfen. Außerdem stärken seine Mikrokulturen das Immunsystem.

Demgegenüber wirkt Olivenöl mit seinem Wirkstoff Oleocanthal ähnlich wie das Schmerzmittel Ibuprofen, nur ohne jegliche Nebenwirkungen.

Die Kiwi-Früchte verhindern laut einer koreanischen Untersuchung Entzündungen in den Blutgefäßen, außerdem mobilisieren sie die Ausschüttung von blutdrucksenkenden Hormonen. Und Tomatenmark entfaltet aufgrund seiner Lykopine einen Lichtschutzfaktor von drei bis vier, während Nüsse, so eine Studie der Harvard Medical School, die Galle schützen: Wer mehr als fünfmal 30 Gramm Nüsse pro Woche verzehrt, reduziert sein Risiko für Gallensteine um etwa 25 Prozent.

Überaus potente Heiler kommen schließlich aus dem Reich der Pilze. Der Wiesenchampignon hemmt das Wachstum von Sarkoma 80, einer bösartigen Geschwulst, und im Hallimasch fand man Esterverbindungen, die antibiotisch wirken.

Absoluter Star unter den Heilpilzen ist jedoch der aus Japan stammende Shiitake. Er unterdrückt die Vermehrung von Schnupfen- und Grippeviren, senkt den Cholesterin- und Blutzuckerspiegel. Japanische Forscher verabreichten 470 Frauen täglich neun Gramm getrocknete oder 90 Gramm frische Shiitake-Pilze. Der Cholesterinspiegel der Testpersonen senkte sich binnen einer Woche um sieben bis 15 Prozent.