Tiere

Hungrige Kohlmeisen fressen Zwergfledermäuse

Bei geringem Nahrungsangebot fressen Kohlmeisen überwinternde Fledermäuse, wie Vogelforscher jetzt in Ungarn beobachtet haben.

"Die Kohlmeisen suchen gezielt nach den schlafenden Tieren, um sie mit ihrem Schnabel zu töten und umgehend zu fressen", schreibt die Forschungsgruppe um Péter Estók vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in den "Biology Letters". Die deutschen und ungarischen Wissenschaftler beobachteten über einen Zeitraum von zwei Jahren zahlreiche Angriffe auf Fledermäuse und fanden in den als Überwinterungsquartier dienenden Höhlen außerdem zerpickte Fledermauskadaver.

Wenn die Kohlmeisen jedoch während regelmäßiger Fütterung zusätzliche Nahrung bekamen, stellten sie die Fledermausjagd ein, hob die Forschungsgruppe hervor. Deshalb vermuten die Wissenschaftler, dass das veränderte Beuteschema der Kohlmeisen auf die harten Lebensbedingungen und die Nahrungsmittelknappheit im Winter zurückzuführen ist. Ökologischer Druck, dem auch die Kohlmeise ausgesetzt sei, würde zu überraschenden Veränderungen des Verhaltens vieler nicht zu stark spezialisierter Tierarten führen.

Die Wissenschaftler untersuchten außerdem, wie die Kohlmeisen ihre Beute finden. Fledermäuse überwintern häufig versteckt in Höhlenspalten und sind in der Dunkelheit kaum auffindbar. Deshalb sollten Playback-Experimente Aufschluss darüber geben, ob die von den Zwergfledermäusen abgegebenen Töne eine Rolle spielen. Tatsächlich wurden die Vögel von den Lautsprechern angelockt und reagierten auf die vom Rekorder abgespielten Laute aufwachender Fledermäuse.

( jebe )