Tiere

Hunde verstehen 165 Wörter und Zeichen

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Cordula Schmitz

Nicht nur Moderator Thomas Gottschalk war von Rico verblüfft. Ohne zu zögern oder sich vom "Wetten, dass..?"-Studiopublikum ablenken zu lassen, brachte der Border-Collie seinem Frauchen 77 Gegenstände, die aus 200 Plüschtieren, Bällen und Kappen in der Sendung willkürlich ausgewählt worden waren.

- Mittlerweile hat das Tier sein Wissen auf über 250 Begriffe gesteigert und wurde von den Forschern des Max-Planck-Instituts untersucht.

Der Versuch, dem Beagle Millie solche Fähigkeiten beizubringen, scheiterte dagegen. Millie apportierte zwar brav, allerdings alles, was ihr in den Sinn kam, und nicht das, was sie sollte.

Wissenschaftler haben jetzt den Grund für die Genialität des Fernsehhundes herausgefunden. Während Millie zu den etwas minderbemittelten Hunderassen dieses Planeten gehört, ist Rico ein typischer Vertreter einer cleveren Rasse. Collies, der Deutsche Schäferhund und sogar Pudel gehören zu den Intelligenzbestien in der Hundewelt. Beagle, Windhunde oder Pekinesen sind dagegen nicht ganz so helle.

"Ein normaler Hund ist sprachlich so intelligent wie ein etwa zweijähriges Kind", erklärt Professor Stanley Coren von der Universität Vancouver, der eine Studie zu dem Thema veröffentlich hat. Er ist davon überzeugt, dass Hunde zu den cleversten Tierarten gehören und sich mit Affen und Papageien messen können. Zumindest, was das Sprachverständnis angeht. Um die Intelligenz der Hunde zu erforschen, nutzen die Wissenschaftler in Vancouver Tests, die auch gebraucht werden, um die Entwicklung der Sprache und des Zahlenverständnisses von Kleinkindern zu ermitteln.

"Ein durchschnittlicher Hund versteht an die 165 Wörter, Zeichen und Signale. Hunde, die zu den 20 Prozent der Superhunde gehören, verstehen rund 250 Wörter und Signale. Das entspricht in etwa dem Stand eines zweieinhalbjährigen Kindes", so Coren. Natürlich kann man mit diesem Wortschatz keine gepflegte Konversation mit dem Haushund führen, aber er versteht Gesten und Worte trotzdem. Damit sind die Vierbeiner nach Meinung der Experten auch in der Lage, Mensch und Tier zu täuschen, um schneller an eine Belohnung zu gelangen. Auch ein arithmetisches Grundverständnis konnte nachgewiesen werden. "Hunde wissen, dass eins und eins zwei ist", sagt der Experte.

Und der Vergleich mit den wilden Vorfahren unserer Haustiere ergab: Das Zusammenleben mit Menschen hat die Intelligenz und das Können der Hunde deutlich erhöht. "Wenn ein Mensch auf etwas zeigt, wird der Wolf auf den Finger starren, ein domestizierter Haushund schaut in die Richtung, in die der Finger zeigt", so Coren.

Auch die Zucht-Historie spielt bei der Intelligenz der Hunde eine Rolle: "Während Terrier und Jagdhunde dazu gezüchtet wurden, zu jagen und die Beute zu stellen, wurden Collies und Retriever dazu gezüchtet, Befehle zu befolgen", erklärt der Forscher.

Insgesamt setzt sich der Lernerfolg der Tiere aus drei Faktoren zusammen: dem Instinkt, der adaptiven Intelligenz und dem Gehorsam. Man muss die Hoffnung auf eine Lassie also nicht aufgeben, sondern nur die richtige Hunderasse auswählen.