Die Zukunft in einem Zug

In den neuen Hauptbahnhof sind seit der Eröffnung zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 schon die unterschiedlichsten Züge eingelaufen. ICE der neuesten Baureihe TD ebenso wie quietschende Dieselloks LTS M62 aus dem ukrainischen Luhansk, die im Volksmund Taigatrommel genannt werden.

- Aber der 300 Meter lange Zug, der am Donnerstagnachmittag einrollen wird, ist etwas ganz Besonderes: Sein Fahrziel heißt Zukunft.

Die zwölf Waggons des "Sciencexpress Expedition Zukunft" beherbergen eine Wissenschaftsausstellung, die von der Max-Planck-Gesellschaft und der Berliner Ausstellungsagentur ArchiMeDes konzipiert wurde und die bis Ende November kostenlos in den Bahnhöfen von 62 deutschen Städten zu sehen sein wird. Die Schau ist Bestandteil der "Forschungsexpedition Deutschland" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Initiative "Wissenschaft im Dialog". Nicht nur Forschungsministerin Annette Schavan und der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Peter Gruss, werden zur Eröffnung erwartet. Auch Kanzlerin Angela Merkel will kommen.

Die hochkarätige Besetzung zeigt, dass die Politik die Notwendigkeit einer besseren Vermarktung der Wissenschaften erkannt hat. Deutschland hat seit Jahren ein Nachwuchsproblem in naturwissenschaftlichen und technischen Berufen. Viele Unternehmen suchen erfolglos gute Ingenieure und Techniker. Während der Anteil von Hochschulabsolventen bei den Ingenieurwissenschaften je Jahrgang in vielen EU-Staaten um deutliche neun Prozent gestiegen ist, kann Deutschland nur einen Anstieg um drei Prozent verbuchen. Bildungsexperten fordern schon lange, dass die Beschäftigung mit Technik und Wissenschaft für Kinder und Jugendliche attraktiver gemacht wird. Und dass Wissenschaft ein breites Publikum begeistern kann, wenn sie vom vermeintlichen Staub der Bibliotheken befreit wird, zeigt der Erfolg von Science- oder Wissenscentern wie dem Bremer Universum oder dem Wolfsburger Phæno. Sie erreichen Besucherzahlen zwischen 400 000 und 500 000 im Jahr.

Neuestes und ehrgeizigstes Projekt ist das "Odysseum", das zurzeit auf dem Gelände einer ehemaligen chemischen Fabrik im Kölner Stadtteil Kalk entsteht.

Auch der Wissenszug hat ein multimediales Konzept. Ausgehend von globalen Herausforderungen wie Klimawandel, Energieverknappung und demografischer Entwicklung zeigen die zwölf Themenwagen Trends in Forschung und Technik, die unser Leben über das Jahr 2020 hinaus prägen werden. Die Anregung dazu erhielt Kanzlerin Merkel bei einem Staatsbesuch 2007 in Indien, wo ein ähnlicher Zug sehr erfolgreich war.

Mehr im Internet unter www.expedition-zukunft.org