Software

Handy hilft beim Einkaufen

Es gibt kein Klingelschild. Nur ein kleiner Briefkastenaufkleber mit der Aufschrift "Barcoo" an dem Universitätsgebäude in Berlin-Mitte verrät, dass man richtig ist. In zwei kleinen Büros tüfteln hier Benjamin Thym, Martin Scheerer und Tobias Bräuer an ihren Laptops.

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Die drei kennen sich aus der Schulzeit in Tübingen, studierten in verschiedenen Städten Informatik oder Mathematik und fanden sich schließlich mit einer gemeinsamen Unternehmensidee in Berlin wieder zusammen. "Wir wollen das Handy zum Einkaufsratgeber machen", sagt Benjamin Thym, der Geschäftsführer von Barcoo. So heißt auch ihre kostenlose Applikation, die über das mobile Internet funktioniert: Im Geschäft scannt der Verbraucher per Handykamera den Barcode eines Produktes. Barcoo vergleicht dessen Nummer daraufhin mit aktuellen Daten aus dem Web. Nach wenigen Sekunden zeigt das Programm nicht nur den Produktnamen und den Hersteller, sondern auch den günstigsten ermittelten Preis. Außerdem wird aufgelistet, wo und zu welchem Preis man es noch so in der Nähe kaufen kann. Clever: Mit einem Klick zeigt das Handy die Position der Geschäfte inklusive den jeweiligen Produktpreis auf einer Google-Maps-Karte der Umgebung. Die Ampel-Kennzeichnung fürs Handy funktioniert auf dem Google G1 sowie den meisten internetfähigen Sony-Ericsson- und Nokia-Handys.

Bei Technikgeräten liefert Barcoo zusätzlich Testergebnisse von Fachzeitschriften oder Stiftung Warentest. Doch die eigentliche Besonderheit von Barcoo ist die "Lebensmittelampel". "Ich habe schon oft im Supermarkt gestanden, ein Produkt mit Bio-Siegel gesehen und trotzdem nicht gewusst, wie gesund es ist", sagt Benjamin Thym. Bei der Gesetzeslage zur Kennzeichnung von Zucker, Fetten und Salzen könnten die Hersteller leicht tricksen, kritisiert der 28-Jährige.

Nach dem Scannen eines Lebensmittel-Barcodes greift das Programm auf die große Internetdatenbank der britischen "Food Standards Agency" zurück, die die genauen Inhaltsstoffe kennt. Das Handy zeigt dann vier Felder für Zucker, Fett, gesättigtes Fett und Salz an. Jedes Feld hat eine Farbe: Grün steht für in geringer Menge vorhanden, Gelb für mittleren und Rot für hohen Gehalt.

Lebensmittelhersteller befürchten, die rote Farbe könnte ein Produkt als schlecht abstempeln. "Es ist eine Warnung, es nur in Maßen zu verzehren", sagt Thym hingegen. Chips esse man ja auch, obwohl sie ungesund sind. "In Großbritannien funktioniert die Ampel sehr gut."

Bis zum August werden die drei Entwickler noch von der EU gefördert, die ihnen auch die Räume im Universitätsgebäude leiht. Danach geht es auch für sie darum, Geld mit Barcoo zu verdienen. Eine Idee haben sie auch schon: Premium-Inhalte, zum Beispiel für Allergiker. Die sagen nach dem Barcode-Scan, ob das Produkt auch für Menschen mit speziellen Unverträglichkeiten geeignet ist. Vielleicht reicht es dann für das erste richtige Büro - mit einem Klingelschild an der Tür.