Gefahr aus der Welt der Atome

Ob Biotechnologie, Gen-Food oder die friedliche Nutzung der Atomspaltung zur Stromerzeugung - alle stoßen in der öffentlichen Meinung auf starke Ablehnung.

Berlin - Ob Biotechnologie, Gen-Food oder die friedliche Nutzung der Atomspaltung zur Stromerzeugung - alle stoßen in der öffentlichen Meinung auf starke Ablehnung. Als die Technologien aufkamen, haben Wissenschaftler und Industrie es nicht geschafft, der breiten Bevölkerung eine rationale Beurteilung der Risiken und Chancen zu vermitteln.

Genau entgegengesetzt verläuft derzeit die Einschätzung der aufkommenden Nanotechnologie. Wissenschaftler, die auf diesem Gebiet tätig sind, sehen deutlich mehr Gefahrenpotenzial in der neuen Technologie als Laien. Das gilt insbesondere für Gesundheitsprobleme und Umweltverschmutzung. Das geht aus einer Umfrage hervor, über die Dietram Scheufele von der University of Wisconsin-Madison und Mitarbeiter in der Fachzeitschrift "Nature Nanotechnology" heute berichten.

Die Wissenschaftler befragten 1015 US-Bürger und 363 Experten aus der Nanotechnologie zu ihrer Einschätzung. Für beide Bevölkerungsgruppen waren die Fragen im selben Wortlaut formuliert, was einen direkten Vergleich der Risiko-Chancen-Beurteilung ermöglichte. Zwei Ursachen vermutet Scheufele für die pessimistischere Meinung der Experten. Einerseits sehen Fachleute einen gravierenden Mangel an Risikoforschung. Andererseits setzen Interessengruppen scharfe Überwachungsmaßnahmen für neue Produkte der Nanotechnologie durch.

Als Nanopartikel gelten Teilchen in einem Größenbereich zwischen einem und 100 Nanometern (ein Nanometer ist der millionste Teil eines Millimeters). Substanzen mit einer derartig feinen Verteilung nehmen völlig andere physikalisch-chemische Eigenschaften an, als der Stoff sie in größerer Dimension besitzt. Das macht Nanopartikel für technische Anwendungen so interessant, aber auch unberechenbar.

Gold, Silber, reiner Kohlenstoff oder ein Kunststoff können im pflanzlichen, tierischen und menschlichen Organismus ungeahnte biologische Wirkungen entfalten. Mindestens alle neu entwickelten Nanomaterialien müssten auf solche Wirkungen geprüft werden. In Deutschland beschäftigen sich zurzeit die öffentlich geförderten Projekte NanoCare und Inos (Identifizierung und Bewertung von Gesundheits- und Umweltauswirkungen von technischen nanoskaligen Partikeln) damit.

Weiterer Forschungsbedarf, auch international, ist nach Meinung von Fachleuten jedoch dringend notwendig. Dann könnte die Lücke in der Risikowahrnehmung zwischen Wissenschaftlern und Laien geschlossen werden, deren Grund Scheufele in mangelnder Kommunikation sieht. Und die Nanowissenschaftler hätten die Chance, eine Öffentlichkeit, die ihnen ohnehin schon viel Vertrauen entgegen bringt, sachlich zu informieren. Die Nanotechnologie könnte zum Beispiel dafür werden, dass Forscherer die Bevölkerung vor dem Gefahrenpotenzial ihrer Fachdisziplin warnen.