Ameisen halten sich Läuse als Sklaven

Wo Blattläuse an einer Pflanze saugen, sind häufig Ameisen nicht weit. Hobbygärtner kennen das Problem: Die Ameisen laben sich am Honigtau der Läuse und verteidigen sie dafür vor Feinden.

Foto: Ralf Hennemann / usage worldwide, Verwendung weltweit

Berlin - Wo Blattläuse an einer Pflanze saugen, sind häufig Ameisen nicht weit. Hobbygärtner kennen das Problem: Die Ameisen laben sich am Honigtau der Läuse und verteidigen sie dafür vor Feinden. Diese Zweckgemeinschaft zum gegenseitigen Vorteil gilt als Symbiose. Doch englische Biologen schreiben im Fachblatt "Proceedings of the Royal Society B", dass das Zusammenleben einen ganz anderen Charakter hat. Die Ameisen halten die Läuse wie Sklaven.

Blattläuse sitzen meist gemeinsam an jungen Trieben und Blättern und saugen zuckerhaltigen Pflanzensaft. Da sie aber nicht allen Zucker verdauen können, geben sie ihn als Honigtau wieder ab. Ameisen nehmen diese Tröpfchen gierig auf. Die Lauskolonie, die sie gegen Marienkäfer und andere Feinde verteidigen, ist für sie so etwas wie eine Kuhherde.

Werden die Kolonien sehr groß, beginnen einzelne Läuse zu wandern, sie suchen sich eine noch nicht übervölkerte Nachbarpflanze. Sind aber Ameisen zugegen, verhindern die solche Wanderungen. Sie geben Signalstoffe ab, die die Läuse am Wandern hemmen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit einer Bohnenblattlaus beträgt 0,5 Millimeter pro Sekunde - unter dem Einfluss des Signalstoffs aber nur 0,35 mm/sec.

Die Braunschwarzen Wegameisen, mit denen die Engländer experimentierten, sind offenbar bestrebt, ihre Lausherde beisammenzuhalten. Dabei gehen sie bisweilen noch rigoroser vor. Mit einem weiteren Signalstoff unterdrücken sie die Bildung von Flügeln bei den Läusen. Haben dennoch einzelne Flügel, beißen die Ameisen sie einfach ab. Das rabiate Verhalten ist wohl kaum als Symbiose zu bezeichnen.

rhl