Krebs durch Vitamin C?

Von Tabea Sturmheit Baltimore - Vitamin C aus Hagebutten, Johannisbeeren und Zitronen stärkt das Immunsystem und lässt Wunden schneller heilen.

Baltimore - Vitamin C aus Hagebutten, Johannisbeeren und Zitronen stärkt das Immunsystem und lässt Wunden schneller heilen. Das beliebte Vitamin fängt die oft beschimpften freien Radikale, aggressive sauerstoffhaltige Moleküle, und hilft so im Kampf gegen bösartige Tumore.

Schon Linus Pauling, Empfänger zweier Nobelpreise, glaubte an die präventive Wirkung der Ascorbinsäure. Entgegen der Kritik vieler Wissenschaftler, die Paulings Vitamin C Enthusiasmus als pseudowissenschaftlichen Schwindel abtaten, sah er in vielen Vitaminen ein einfaches Mittel gegen eine Vielzahl medizinischer Probleme. Um sich vor Erkältungen und Krebs zu schützen, nahm Pauling im Alter täglich 18 Gramm Vitamin C zu sich, das ist mehr als ein gehäufter Esslöffel.

Ascorbinsäure, so ist es allgemeine Lehrmeinung, hindert die aggressiven Radikalen im Körper daran, das Erbgut so zu beschädigen, dass Krebs entstehen kann. Tatsächlich ist der vor Tumoren schützende Effekt des Vitamins jedoch ein anderer, wie Wissenschaftler der Johns Hopkins University in der aktuellen Ausgabe von "Cancer Cell" berichten. Vitamin C und andere Vitamine, die als Antioxidantien wirken, stoppen Tumore, indem sie dem betroffenen, durchwucherten Gewebe gleichsam den Energiehahn abdrehen. Der Krebs kann dann nicht weiterwachsen.

Vitamin C stoppt die aggressiven freien Radikalen, bevor sie ein weiteres schädliches Molekül im Körper aktivieren können, dass so genannte HIF-1. "HIF-1 fördert das Wachstum neuer Blutgefäße, um Tumorgewebe künftig wieder mit mehr Sauerstoff versorgen zu können", erklärt Krebsforscher Chi Professor Chi Dang. Besonders schnell wachsende Tumore verbrauchen viel Energie und senken den Sauerstoffgehalt des umliegenden Gewebes.

Chi und seine Kollegen hatten krebskranke Mäuse mit Vitamin C gefüttert und dabei diesen verblüffenden Effekt gemessen.

In Kombination mit Fett kann Vitamin C seine Funktion als Radikalfänger jedoch auch gründlich verfehlen. Wissenschaftler der University of Glasgow berichten, dass Vitamin C zusammen mit 10 Prozent Fett im Magen von Mäusen zu einem acht bis 140-fach erhöhten Level an krebserregenden Substanzen führt. Stickstoffmonoxid, das in Gegenwart von Vitamin C im Magen entsteht, führt in fettigen Substanzen zur Bildung neuer Radikale. Und die wirken schließlich kontra produktiv im Kampf gegen Krebsgeschwüre. Auf Obst solle man daher nach einem fetthaltigen Essen lieber verzichten, das könne ungesund sein.

Ist im Magen jedoch nur Vitamin C - und keine Reste von fettiger Schokolandentorte oder Pommes frites - hilft es offenbar bei der Krebsprävention.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine Tagesdosis von 75 Milligramm. Sportler, Raucher und gestresste Personen sollten täglich 200 Milligramm Vitamin C zu sich nehmen. Eine Überdosis an Vitamin C kann kaum eingenommen werden. Im schlimmsten Fall leidet der Vitamin-Fanatiker an Übelkeit und Durchfall. In seltenen Fällen kann zu viel Vitamin C auch zu Harnsteinen führen.

Der Vitamin C-Liebhaber Linus Pauling brachte es mit seiner täglichen Überdosis an Ascorbinsäure auf gesunde 93 Jahre. Auch dem frühzeitigen Altern wollte der Nobelpreisträger mit der säuerlichen Substanz entgegen wirken. Heutzutage schwören im Übrigen auch Hollywoodstarts wie Julia Roberts, Cindy Crawford und Shirly MacLane auf Anti-Aging Produkte mit Vitamin C Zusatz.