Schnarchen belastet auch den Partner

Millionen Deutsche schnarchen - manche nur gelegentlich bei einem Schnupfen, andere jede Nacht.

Ingelheim - Millionen Deutsche schnarchen - manche nur gelegentlich bei einem Schnupfen, andere jede Nacht. Der Körper ist im Schlaf entspannt, die Muskulatur erschlafft. Beim Atmen flattern das Gaumensegel und das Zäpfchen, zum Teil auch der Zungengrund und der Rachen und erzeugen so ein knatterndes Geräusch. Alte schnarchen mehr als Junge, Männer mehr als Frauen.

Beim extremen Schnarchen gibt es Atemstillstände (Schlafapnoe). Das kann lebensbedrohlich werden. Der Betroffene kann schwer beurteilen, ob und wie stark er schnarcht und ob sein Atem aussetzt. Häufig sind die Beobachtungen eines Partners die Warnzeichen. Sie sollten ernst genommen werden. "Wer ständig durch das Schnarchen des Partners im eigenen Schlaf gestört wird, greift zu Ohrenstöpseln oder zieht in ein eigenes Zimmer", beobachtet Hans Joachim Schneider vom Bundesverband Schlafapnoe (BSD) in Ingelheim. "Schnarchen ist ein wahrer Beziehungskiller."

Singles fehlen die Beobachtungen von außen - für sie ist das genaue Registrieren der eigenen Körpersignale entscheidend. "Es gibt Leute, die ihre Schnarchgeräusche in der Einschlafphase selbst noch hören. Manche wachen auch auf, weil sie sich beim Schnarchen verschlucken", erläutert Schlafmediziner Ingo Fietze von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin. Schlafapnoe-Experte Schneider ergänzt: "Symptome sind morgendliche Erschöpfung, Kopfschmerz, unruhiger Schlaf, Konzentrationsschwäche und Einschlafneigung etwa beim Fernsehen oder Zeitungslesen."

Verursacht werden solche Beschwerden dadurch, dass die oberen Atemwege zeitweilig verschlossen sind und damit vorübergehender Sauerstoffmangel entsteht. Bei einer Schlafapnoe wird der Schlaf von mehr als fünf bis zu zwei Minuten langen Atmungsaussetzern gestört. Dann ist der Sauerstoffmangel gravierend. "Dies führt in der Regel zu Blutdruckschwankungen. Daraus ergibt sich ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle", so Internist Ingo Fietze.

Vom Hausarzt zum Spezialisten

Wenn sich die Symptome mehren, ist meist der Hausarzt der erste Ansprechpartner. Nur: Er ist selten Schlafmediziner. "Oft beginnt damit ein regelrechte Ärzte-Odyssee", sagt Emil Krumholz, Zahnarzt, Schlafmediziner und Leiter des Zentrums für Schnarchtherapie in Frankfurt/M. Mediziner verschiedener Fachrichtung, die sich auf Schlafmedizin spezialisiert haben, sind auf den Internetseiten des BSD zu finden. Um das Ausmaß des Schnarchens oder einer Schlafapnoe beurteilen zu können, wird zunächst ein Screening-Gerät eingesetzt. "Der Patient nimmt es mit nach Hause. Es zeichnet eine Nacht Atemaussetzer, Schnarchgeräusche und die Körperlage auf", erläutert Hans Joachim Schneider vom Selbsthilfe-Bund. Dazu können im Schlaflabor - etwa an der Charité in Berlin - Schlafphasen und -unterbrechungen beobachtet werden.

Atemtherapiemaske bringt Hilfe

Schwere Formen der Schlafapnoe werden mit einer Atemtherapiemaske behandelt. "Eine Maschine neben dem Kopf des Patienten saugt kontinuierlich Raumluft an, filtert diese und bläst sie durch einen Schlauch in den Rachen des Patienten, so dass der Schlund aufgehalten wird", erläutert Schneider.

Bei leichteren oder mittleren Ausprägungen der Schlafapnoe kann eine Kiefer-Schiene helfen. "Hierzu fixiert der Patient vor dem Zubettgehen jeweils eine Schiene im Ober- und Unterkiefer auf den Zähnen", erklärt Zahnarzt Krumholz. So wird der Unterkiefer in einer festen Vorderlage fixiert, die Zunge kann nicht zurück fallen und die Atemwege blockieren. "Bei Patienten mit starkem Übergewicht, geringer Unterkieferbeweglichkeit oder schwacher Zahnsubstanz ist diese Therapieform nicht anwendbar."

Patienten sollten versuchen, Schnarch-Risikofaktoren zu reduzieren, rät Fietze. Betroffene schnarchen meist in Seitenlage oder mit erhöhtem Kopf deutlich seltener als in flacher Rückenlage. Übergewicht, Alkoholkonsum, Beruhigungs- oder Schlafmittel sollten vermieden werden. Dadurch kann der Atmungsapparat im Schlaf noch mehr an Spannung verlieren. Hilfreich sind auch regelmäßige Schlafzeiten.