Papst: Wissenschaft nicht ohne Gottesbezug

Die Gesellschafts- und Humanwissenschaften können nach den Worten von Papst Benedikt XVI.

Rom - Die Gesellschafts- und Humanwissenschaften können nach den Worten von Papst Benedikt XVI. nicht auf einen Gottesbezug verzichten. Der Mensch sei nur in seiner Offenheit für die Transzendenz zu verstehen, sagte der Papst gestern bei einem Besuch der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Ohne die Verwiesenheit auf Gott ließen sich weder die Fragen nach dem Sinn der Existenz beantworten noch jene ethischen Werte etablieren, die allein ein menschenwürdiges Zusammenleben garantieren könnten. Es genüge jedoch nicht, Gott zu erkennen. "Das Wissen muss zur Liebe werden", sagte der Papst.

Die kirchlichen Wissenschaftsinstitutionen stünden in Konfrontation mit der säkularen Kultur, so Benedikt XVI. Weithin gebe es die Tendenz, jedes Zeichen der Gegenwart Gottes im Leben der Gesellschaft und des Einzelnen zu leugnen. Darüber hinaus desorientiere und verdunkle diese Kultur das menschliche Bewusstsein und versuche, seine Fähigkeit zum Hören auf Gott zu zersetzen.

Beziehungen mit anderen Religionen seien nur dann konstruktiv, wenn sie jede Zweideutigkeit in Glaubensfragen vermieden, unterstrich der Papst. Er warnte davor, den Kerngehalt des christlichen Glaubens an Christus als einzigen Heiland und an die Kirche als notwendiges Sakrament zur Rettung der ganzen Menschheit zu schwächen.

Mit Blick auf die Forschungsgeschichte der Gregoriana hob der Papst die mathematischen und astronomischen Leistungen der Universität in vergangenen Jahrhunderten hervor. Als Beispiel erwähnte er den heute weltweit gebräuchlichen gregorianischen Kalender. Das Berechnungssystem war 1582 von dem Priester und Professor Cristoforo Clavio am Collegium Romanum entwickelt worden.

Benedikt XVI. rief die Dozenten der Gregoriana zu "kreativem Geist" auf. Nur in Treue gegenüber der eigenen Geschichte und Tradition und zugleich mit Offenheit für die Gegenwart könnten sie auf die Bedürfnisse der Kirche und der heutigen Welt antworten.

In die Rede vor Professoren, Gönnern und Studenten der Gregoriana ließ Benedikt XVI. auch persönliche Erinnerungen einfließen. "Mit Freude finde ich mich in dieser Eingangshalle wieder, die ich bei verschiedenen Gelegenheiten durchschritten habe", sagte der Papst.

Besonders sei ihm die Verteidigung der Doktorarbeit des Alttestamentlers Norbert Lohfink zu Beginn der 60er Jahre gegenwärtig. An jener akademischen Veranstaltung hätten wegen des zeitgleich stattfindenden Zweiten Vatikanischen Konzils viele Kardinäle teilgenommen, "und auch ich als kleiner theologischer Berater", sagte der Papst unter Lachen und Beifall der Zuhörer. KNA