Wie Ihr Kind auf jeden Fall intelligent wird

Mütter sind manchmal gnadenlos, wenn es darum geht, ihre Sprösslinge zu fördern. Da wird der ungeborene Fötus mit Mozart beschallt, Dreijährigen das Einmaleins eingebläut.

Leipzig - Mütter sind manchmal gnadenlos, wenn es darum geht, ihre Sprösslinge zu fördern. Da wird der ungeborene Fötus mit Mozart beschallt, Dreijährigen das Einmaleins eingebläut. Reiner Aktionismus. Denn was das Denkvermögen der Kinder angeht, sind mit der Geburt schon die Weichen gestellt, sagt der Leipziger Humangenetiker Volkmar Weiss.

Die Intelligenz eines Menschen hängt von der Geschwindigkeit ab, in der das Hirn Informationen auswertet und speichert. Je schneller der Gedankenfluss, umso höher der Intelligenzquotient (IQ). Braucht ein Schüler mit einem IQ von 100 - das entspricht dem deutschen Durchschnitt - für eine Matheaufgabe vier Minuten, dann schafft sie sein hochbegabter Banknachbar mit IQ 130 in weniger als zwei Minuten. Denn die mentale Leistungsfähigkeit verdoppelt sich jeweils nach 30 IQ-Punkten. Man nimmt an, dass nicht die Größe des Gehirns über den IQ entscheidet, sondern die Qualität - bildlich ausgedrückt - die "Oktanzahl" der Botenstoffe.

Gesucht: Das Hauptgen

Offen ist, welche und wie viele Gene den Hirnenergiestoffwechsel bestimmen. Volkmar Weiss vertritt in seinem Buch "Die IQ-Falle" die These, dass wahrscheinlich nur ein "Hauptgen" über den IQ entscheidet. Als das Werk vor sieben Jahren erschien, galt diese Ansicht noch als sehr strittig. Pisa-Tests und neue Studien aus Großbritannien und Finnland zu intellektuellen Leistungsunterschieden in Europa haben inzwischen die Diskussion versachlicht. Und es gibt erste Konsequenzen. So ist es ein Ziel des Elterngeldes, Akademikerinnen (30 Prozent sind mit 39 Jahren noch kinderlos) die Entscheidung für eine Schwangerschaft zu erleichtern. Eine Vorzugsbehandlung, die Sinn macht, wenn man von der Erblichkeit der Intelligenz ausgeht. Und damit, so Volkmar Weiss, werde seine Theorie indirekt gestützt: "Familienministerin Ursula von der Leyen ist promovierte Ärztin. Sie weiß, dass sich die Mendelschen Vererbungsgesetze nur anwenden lassen, wenn die Intelligenz an ein Gen gebunden ist."

Nehmen wir also an, die Sache mit dem "Hauptgen" stimmt. Dann könnten Menschen den IQ-Wert ihres Nachwuchses tatsächlich beeinflussen. Doch die Liebe müsste womöglich hinter Bildungsabschlüssen zurück stehen.

Nicht ganz ernst gemeinte Tipps

Etwa 15 Prozent der Deutschen haben einen IQ unter 85. Eine Partnerschaftswahl in dieser Gruppe sollten Sie nach Möglichkeit ausschließen. Denn die Chance auf ein klügeres Kind mit einem IQ über 100 liegt bei null Prozent - sofern Sie selber auch minderbemittelt sind. Der Nachwuchs würde nur profitieren, wenn Sie zu der größeren Bevölkerungsgruppe gehören (30 Prozent) mit einem IQ von durchschnittlich 110. Doch suchen Sie Ihren Partner lieber gleich in diesen Kreisen, denn hier sind Sie - genetisch - gut aufgehoben. Nicht nur, dass das Denkvermögen für ein Studium ausreicht, auch drei Ihrer Kinder können diesen Weg gehen, wobei eines sogar überdurchschnittlich begabt sein dürfte. Lediglich ein Spross fällt den Mendelschen Gesetzen zufolge intellektuell zurück. Das heißt, bekommen Sie nur ein Kind, könnte es das "dümmste" der vier sein. Keinerlei Risiken gehen Sie ein, wenn Sie einen IQ um 130 haben. Dann müssen Sie nur noch einen ebenso klugen Partner finden, was bei einem Bevölkerungsanteil von fünf Prozent aber schwer werden kann. Und nicht jeder, der ein Telefonbuch auswendig aufsagt, ist hochbegabt. Es könnte sich auch um einen "Inselbegabten" handeln, der nur einzelne kognitive Höchstleistungen vollbringt.

Unser letzter Rat: Nehmen Sie all das nicht zu ernst. Selbst Weiss geht davon aus, dass das "Hauptgen" in frühestens zehn Jahren gefunden wird. Wenn überhaupt.