Psychologie

Das Einfache ist schön

Was empfindet der Mensch als schön? Zwei Forscher der Universität Jena sind dem Geheimnis der Ästhetik auf der Spur. Dabei haben sie Kunstwerke analysiert, deren Betrachter befragt und ihre Gehirnströme gemessen. Der Informatiker Joachim Denzler und der Hirnforscher Christoph Redies wollen entschlüsseln, warum Menschen manche Bilder als ästhetisch empfinden und andere nicht.

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Die Wissenschaftler haben Landschaften und Kunstwerke miteinander verglichen und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass beide für das Auge ähnlich aufgebaut und leicht zu verarbeiten sind. Ihre These: Was wir einfach verarbeiten können, empfinden wir als schön.

"Da der Mensch im Laufe der Evolution stets von Natur umgeben war, hat sich das Auge an die Verarbeitung von Landschaften angepasst", erklärt der Professor für Digitale Bildverarbeitung, Joachim Denzler. So könne das Auge Natürliches wie Berge, Meer, Wälder und Sonnenuntergänge besonders leicht verarbeiten - Dinge, die allgemein als schön gelten. Ähnelt ein Bild im Aufbau einer solchen Landschaft, dann wird es von seinem Betrachter eher als ästhetisch erachtet.

Bevor Denzler und sein Kollege Redies, auf diese Parallelen zwischen Kunst und Natur gestoßen sind, haben sie mehrere Hundert Bilder aus verschiedenen Epochen am Computer analysiert. Mithilfe einer mathematischen Methode untersuchten sie die Signale, auch Frequenzen genannt, die von Bildern für das menschliche Auge ausgehen. "Wir haben herausgefunden, dass nur Bilder als ästhetisch erachtet werden, die das richtige Verhältnis von hohen und niedrigen Frequenzen aufweisen", erläutert Denzler. Hohe Frequenzen ergeben sich zum Beispiel bei Farbsprüngen von Schwarz nach Weiß, während sanfte Farbübergänge niedrige Frequenzen erzeugten.

Mit dem Psychologischen Institut in Jena werde am Computer erforscht, wie das Nervensystem auf ästhetische Reize reagiert. Das ästhetische Empfinden sei bei jedem Menschen gleich, behauptet Redies. Individuelle Erfahrung und Kulturkreis beeinflussten die Wahrnehmung zwar, seien aber zu überwinden. "Picasso war zunächst verschrien, und als man sich kulturell an ihn gewöhnt hatte, empfand man seine Bilder als ästhetisch."