Medizin

Eine Spritze gegen Altersblindheit

Stellen Sie sich vor, sie halten ein Zwei-Euro-Stück in der Hand, blicken darauf, sehen stattdessen aber nur einen schwarzen Fleck: So sieht ein Mensch, dessen Makula degeneriert ist. 4,5 Millionen Deutsche leiden an der Krankheit.

- 40 000 erkranken jährlich neu. Vor allem Menschen ab 55 Jahren leiden an der "altersabhängigen Makuladegeneration" (AMD).

"Die AMD hat gravierende Folgen für die Lebensqualität", sagt Professor Frank G. Holz, Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn. "Lesen wird beispielsweise unmöglich." Zwar führt diese oft "Altersblindheit" genannte Krankheit nicht zur Blindheit. Wird sie zu spät behandelt, kann sie aber zum vollständigen Verlust der Sehschärfe führen. Holz ist auch Präsident der "Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG), die sich auf ihrem 106. Kongressr ab heute in Berlin der AMD-Forschung widmet.

Die Makula ist der schärfste Punkt des Sehens. Sie sitzt auf der Hinterwand des Auges. Grundsätzlich unterscheidet man bei ihrer Degeneration zwei Formen. Die trockene und die feuchte AMD. Die trockene Form ist mit 80 Prozent die häufigere, die feuchte AMD ist die deutlich aggressivere Form. Bei ihr bilden sich im Auge unter der Netzhaut unkontrolliert undichte Blutgefäße, die in die Makula sprießen. Tritt aus den undichten Gefäßen Flüssigkeit aus, werden die Sinneszellen der Makula zerstört. Verantwortlich dafür ist ein Eiweiß namens VEGF.

Sehschärfe verbessert sich

Gegen dieses sollen neue Medikamente helfen. Sie basieren auf den Wirkstoffen Ranibizumbab, Bevacizumbab und Pegaptanib, sind seit wenigen Jahren im Einsatz und haben die Behandlung der feuchten AMD deutlich verbessert: So wird der Wirkstoff ins Auge gespritzt, bindet dort das VEGF an sich und verhindert dadurch ein weiteres Wachstum undichter Blutgefäße. "So wird nicht nur der Verschlechterung der Sehschärfe aufgehalten. Die Sehschärfe wird auch wieder verbessert", sagt Valeska Müller, Fachärztin für Augenheilkunde in Berlin, die für die Behandlung der feuchten AMD das Medikament Lucentis einsetzt. Damit konnte zu 30 Prozent die Sehschärfe wieder verbessert werden. Die Therapie dauert mehrere Wochen. Die Kosten übernimmt die Kasse.

Neben Lucentis wird auch Macugen eingesetzt. Als nicht zugelassenes Medikament ist auch Avastin verbreitet. Während diese Mittel die Sehschärfe verbessern können, verstopften alte Behandlungsformen die kranken Blutgefäße nur - und dämmten die Verschlechterung der Sehschärfe nur ein.

In Zukunft könnte die feuchte AMD sogar genetisch behandelt werden. "Dieses Verfahren steckt aber noch in den Kinderschuhen", sagt DOG-Präsident Holz.