Kudzu bringt Pflanzen den grünenTod

Foto: bs om

Auburn - Ihr dichtes Blättermeer verschluckt Häuser und Autos. Fremdes tödliches Grün verhüllt Waldränder und Hänge. Kudzu, eine aus Asien eingeschleppte Schlingpflanze, erobert den Südosten der USA. Bäumen und Sträuchern raubt sie das Licht, Äste brechen unter ihrem Gewicht.

Biologen und Forstwirte schlagen jetzt Alarm. "Kudzu kann eine Gegend komplett ruinieren", sagt James Miller von der Forschungsstation Süd der Forstbehörde USFS in Auburn. Geschätzte drei Millionen Hektar soll die Ranke bereits überwuchert haben, eine Fläche so groß wie Brandenburg. Für Forstwirte bedeutet Kudzu oft Totalverlust: "Kudzu-Kontrolle kostet über fünf Jahre hinweg insgesamt 2500 Dollar pro Hektar", so Coleman Dangerfield von der University of Georgia. "Ein Bestand von 25-jährigen Kiefern hat den Wert von 1600 Dollar."

"Kudzu killt die biologische Vielfalt und bedroht heimische Arten", sorgt sich Joyce Bender von der Naturreservatskommission in Kentucky. "Zudem sind Kudzu-Flächen unattraktiv für Besucher von Nationalparks." Inzwischen verschmähen Insekten die fremde Pflanze nicht mehr. Sie bestäuben die Blüte, Samen entstehen. Das gibt dem vernichtenden Feldzug der Pflanze Richtung Norden und Westen eine neue Dimension.Auch Energieversorger hassen das Kraut. Nach Schätzungen kostet es die Branche 1,25 Millionen Euro pro Jahr, die Pflanze zu kontrollieren. Sie kann bis zu einen Meter in drei Tagen wachsen.

Bei der Weltausstellung in Philadelphia 1876 erregte Kudzu als exotisches Ziergewächs Aufsehen. Bald spross die Kletterwurz mit den angenehm duftenden Blüten an Veranden empor. Rinder und Schafe mögen Kudzu, und die Pflanze lässt sich zum Erosionsschutz im Straßenbau einsetzen. "Von 1935 bis 1941 wurden 73 Millionen Kudzu-Setzlinge innerhalb der USA verschickt", sagt Miller. "Der Staat zahlte 20 Dollar pro Kudzu-Hektar."

Die Bekämpfung der seit den fünfziger Jahren als Schädling angesehenen Pflanze kostet heute das 25Fache. Die teueren umweltschädlichen Pflanzengifte müssten mehrere Jahre lang gesprüht werden, um zu wirken. Biologische Mittel - etwa eine Blattwespenart und ein Pilz aus Asien - werden getestet und kommen frühestens in fünf Jahren auf den Markt. Eine unbedenkliche Methode hat das Unternehmen Bellwether Solutions entdeckt: Schafe. "Wir stellen 500 Schafe auf einen Hektar Kudzu, die fressen alles auf und zertreten die Stängel", sagt Firmenchef Dick Henry.