Vernachlässigte Psyche

Berlin - Die Wirtschaftskrise führt zu einer Zunahme psychischer Erkrankungen. Gerade Probleme am Arbeitsplatz sind die Hauptursache eines neuen Krankheitsbilds, das der Berliner Psychiater Professor Michael Linden kürzlich erstmals beschrieben hat: Posttraumatische Verbitterungsstörung. Besonderes Merkmal ist die tiefe Verbitterung infolge einer persönlichen Kränkung. Zu den weiteren Symptomen zählen neben Depressionen und Phobien, Selbstzweifel, Aggressionen, Appetitlosigkeit und Schlafstörungen bis hin zu Selbstmordgedanken.

Laut Linden steigt die Zahl der Betroffenen. Eine Studie des Mediziners ergab, dass fast zwei Drittel der Patienten nach Problemen am Arbeitsplatz erkranken: 38 Prozent entwickeln die Symptome nach einer Kündigung, weitere 24 Prozent nach arbeitsbedingten Konflikten. Jeder Siebte erkrankt nach dem Tod eines geliebten Menschen, ebenso viele weitere nach anderen familiären Problemen. Bislang galten diese Patienten unspezifisch als Depressive oder Psychosomatiker. Im Gegensatz zu depressiven Patienten sind jedoch die emotionalen Verhaltensmuster der PTED-Patienten unbeeinträchtigt. Die Gedanken der Patienten kreisen zwanghaft um die erlebte Kränkung, oft tauchen Rachegedanken auf. Diesen Teufelskreis können die Menschen allein kaum durchbrechen. "Verbitterung ist schlimmer als Depression", betont Linden. AP