Forschung

Berliner Psychiatrie-Akten: Vivantes-Archiv zieht um

Eine außergewöhnliche Sammlung historischer Akten aus der Berliner Psychiatrie zieht heute um in das Landesarchiv um. Rund 90 000 gesäuberte Dokumente aus der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Klinik (Reinickendorf) können Forscher dann an zentraler Stelle einsehen, teilte der Vivantes-Konzern mit.

- Die Sammlung sei ein Schatz für Wissenschaftler.

Die Akten dokumentieren den Beginn der Psychiatrie als "Irren- und Idioten-Anstalt zu Dalldorf" über die "Wittenauer Heilstätten" bis zur Bonhoeffer-Klinik. Heute sind auf diesem Gelände das Vivantes-Humboldt-Klinikum und die Konzernzentrale zu finden. Dokumentiert ist in den Akten die Zeit zwischen 1880 und 1960. Forscher finden darin sowohl Spuren aus den Anfängen der Psychiatrie, als es nur Zwangsjacken oder Bettgurte als Behandlungsmethoden gab. Die Dokumente spiegeln auch die Zeit des Nationalsozialismus, in der Ärzte und Pflegepersonal schwere Schuld auf sich luden. Tausende Patienten der Klinik wurden zwischen 1933 und 1945 ermordet. Bis in die 1980er-Jahre wurde über dieses dunkle Kapitel geschwiegen.

Die Aktensammlung, die zwei Weltkriege nahezu unbeschadet überstand, überdauerte bislang in einem Vivantes-Archivkeller. Übereinandergelegt ergäben die Dokumente einen etwa 600 Meter hohen Aktenstapel.