Tarifkonflikt

Wenn der Postmann wieder klingelt

Post-Streik endet in der Nacht zum Dienstag. Paketboten bleiben im Konzern

Millionen Kunden der Deutschen Post können aufatmen: Nach einem einmonatigen Dauerstreik mit massiven Auswirkungen bei der Post-Zustellung haben sich der Konzern und die Gewerkschaft Verdi am Sonntag im rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Ab Dienstag sollen laut Verdi nun alle Streikmaßnahmen beendet sein. Für die Post-Beschäftigten bedeutet die Einigung neben einem Gehaltszuwachs vor allem umfassende Job-Garantien.

„Dies ist ein guter Tag für die Deutsche Post, ihre Kunden und Mitarbeiter“, betonte Post-Chef Frank Appel nach dem dreitägigen Verhandlungsmarathon. Personalvorstand Melanie Kreis erklärte, für das Unternehmen ermögliche die Einigung künftiges Wachstum.

Beim Knackpunkt der Verhandlungen, den umstrittenen DHL Delivery-Gesellschaften, vereinbarten beide Seiten einen Kompromiss. Die Gewerkschaft konnte sich in den Verhandlungen nicht damit durchsetzen, dass die Post die zu Jahresbeginn neu gegründeten Gesellschaften aufgibt, in denen die rund 6500 Mitarbeiter weniger Lohn als ihre Kollegen im Konzern erhalten. Allerdings bleiben die laut Post 7600 Paketzusteller des Konzerns dauerhaft bei der Post.

400 Euro Einmalzahlung

Bezogen auf alle 140.000 Post-Angestellten wird der eigentlich am Ende dieses Jahres auslaufende Schutz vor betriebsbedingten Beendigungs- und Änderungskündigungen um vier Jahre bis Ende 2019 verlängert. Außerdem wird der Verbleib von Brief- und Verbundzustellung im Bonner Konzern für drei Jahre bis Ende 2018 garantiert.

Finanziell bedeutet die Vereinbarung für die Post-Beschäftigten eine Einmalzahlung von 400 Euro. Zum 1.10. nächsten Jahres erhöhen sich die Löhne dann um zwei Prozent, am 1.10.2017 um weitere 1,7 Prozent. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 32 Monaten bis zum 31.01.2018, die Wochenarbeitszeit bleibt unverändert bei 38,5 Stunden.

Verdi-Verhandlungsführerin Andrea Kocsis erklärte, die Vereinbarung trage der Erwartung der Beschäftigten nach Sicherheit in hohem Maße Rechnung. Es sei zwar nicht gelungen, die Deutsche Post von einer Rücknahme der DHL Delivery GmbHs zu überzeugen. „Aber es ist uns gelungen, die verbleibenden Paketzusteller in der Deutschen Post AG dauerhaft abzusichern. Das ist für die Betroffenen von großer Wichtigkeit.“ Demnach ist der Verbleib der Paketzusteller bei der Post dauerhaft gesichert. Außerdem erhalten laut Verdi Beschäftigte, die zum Stichtag 1.07.2015 länger als 24 Monate ununterbrochen befristet eingestellt waren, bei Eignung ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.

Mit der Einigung geht ein mehrwöchiger, bundesweiter Ausstand von Post-Mitarbeitern zu Ende. Das Klima zwischen Verdi und dem Bonner Konzern ist seit Monaten vergiftet. Entzündet hatte sich der Konflikt nach der Ankündigung der Post, Tausende neue Stellen schaffen zu wollen – allerdings in 49 neuen Gesellschaften, für die niedrigere Löhne als im Konzern gelten. Die neuen Firmen orientieren sich an den Tarifverträgen der Logistik-Branche, diese liegen deutlich unter dem Haustarif der Post. Die Post hatte argumentiert, ihr drohten Nachteile im Wettbewerb, wenn sich der Konzern der Gewerkschaft beuge.