Versicherungen

Nur die Ruhe nach dem Sturm

Unwetter richten oft Schäden an. Damit die Versicherung zahlt, muss vieles beachtet werden

Eins … zwei … drei … vier: Donnergrollen. Es ist ein Zahlenspiel, das kein Spiel ist: Die Sekunden zwischen Blitz und Donner zählen und die Summe durch drei teilen – das Ergebnis verrät, wie viele Kilometer ein Gewitter noch entfernt ist. Es ist kein Spiel, weil es im Extremfall Leben retten kann. Besonders im Sommer. Wenn die Menschen sich vermehrt draußen aufhalten. Wenn die Zeit der Gewitter ist.

Zwischen Mai und August treffen Deutschland rund 400.000 Blitze. An einem besonders aktiven Tag entstehen sogar über 100.000 Blitze, hat der Verband der Elektro- und Informationstechnik-Branche (VDE) ermittelt. Und der muss es wissen. Schließlich war es früher fast normal, dass Elektrogeräte durch Blitze zerstört wurden.

Da hat sich einiges geändert. Überspannungsschutz ist auch in Privathaushalten angekommen. Zusätzlich zum Blitzableiter fürs Haus sind Überspannungsableiter, Endgeräteschutz sowie Blitzstromableiter weit verbreitet. Und dennoch: Gewitter und Unwetter fordern auch heute noch Tribut. Hitzegewitter, orkanartige Sturmböen, Starkregen richten immer wieder schwere Schäden an Haus, Auto, Garten oder sogar der Gesundheit an.

Nach der Statistik des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft (GDV) haben allein Hagelstürme im Jahr 2013 versicherte Schäden an Gebäuden im Wert von 2,4 Milliarden Euro angerichtet. Auf Hochwasser entfielen 750 Millionen Euro. Für Feuer- und Leitungswasserschäden zahlten die Versicherer 3,5 Milliarden Euro an ihre Kunden. Welche Versicherungspolice im Schadenfall greift, hängt sowohl vom Schaden ab, von der Sache die beschädigt ist, als auch von der Ursache. In der Regel sind es Wohngebäudeversicherung, Hausratversicherung, Kfz-Kasko-Versicherung oder auch Haftpflicht, mit der man abrechnen kann.

Dokumentation ist wichtig

Während für Policen der einzelnen Sparten eigene Voraussetzungen und Vorgaben gelten, gibt es eine Regel, an die sich alle Versicherungsnehmer halten müssen: Wer geschädigt wurde, sollte sich unverzüglich bei seiner Versicherung melden. Denn sonst gefährdet er seinen vollen Versicherungsschutz.

Eine genaue Frist gibt es laut dem Bund der Versicherten (BdV) nicht. „Unverzüglich“ bedeutet im Juristendeutsch „ohne schuldhaftes Zögern“ und ist in Paragraf 121 Absatz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuchs definiert. Auch diese Legal-Definition muss aber je nach Einzelfall ausgelegt werden.

Um Ansprüche zu sichern, rät der BdV, zunächst eine E-Mail mit einer Schadensbeschreibung an den Versicherer zu schicken oder ihn anzurufen. Am besten verbunden mit der Bitte um Bestätigung der Mitteilung. Wer von einem Versicherungsvermittler betreut wird, sollte auch diesen unverzüglich informieren.

Die Versicherung muss die Möglichkeit haben, den Schaden zu begutachten. Deshalb gelten die drei wichtigsten Schritte nach einem schädigenden Ereignis: Dokumentation, Dokumentation, Dokumentation! Dazu sollten Versicherte Fotos machen und eine genaue Aufstellung der beschädigten Gegenstände erstellen. Handelt es sich um einen größeren Schaden, wird der Versicherer einen Gutachter schicken, um sich den Schaden anzusehen. Ganz wichtig: Beschädigte Gegenstände nie ohne ausdrückliche Zustimmung des Versicherers entsorgen.

Außer der Pflicht zur Meldung des Schadens und der Dokumentation haben Versicherte aber auch die Pflicht, Schäden so gering wie möglich zu halten. Sprich: Wenn der Sturm das Dach abgedeckt hat, müssen Versicherte nicht versteinert zusehen, wie der Regen ihr Haus flutet. Sie dürfen und müssen weitergehende Schäden verhindern, soweit es ihnen zumutbar ist. Zerstörte Fenster etwa müssen – provisorisch – abgedichtet werden. Daneben sollten herumliegende Teile wie etwa Dachziegel oder Äste weggeräumt werden.

Das klingt teils nach einem Widerspruch. Auf der einen Seite soll man nichts verändern, auf der anderen soll man sich um die Sachen kümmern. Um diesen Widerspruch aufzulösen, können und müssen Versicherungskunden sich aber auf ihren gesunden Menschenverstand verlassen.

Die Hausratversicherung hält für Schäden am Wohnungsinventar her. Darunter fallen Elektrogeräte, die eben doch nicht gut genug abgesichert waren. Oder auch Möbel, die in Folge von Sturm und/oder Regen beschädigt wurden. Hausrat muss jedoch während des sommerlichen Gewittersturms auch in einem Gebäude untergebracht gewesen sein, damit der Versicherer zahlt.

Fliegen Dachziegel vom Haus und werden Fensterscheiben oder Fassade geschädigt, muss die Wohngebäudeversicherung ran. Der Versicherungsverband GDV erklärt, dass alle Schäden, die direkt am Gebäude entstanden sind, über die Wohngebäudepolice zu regulieren sind.

Doch Achtung: Wird der Keller überschwemmt, zahlt sie nur, wenn zusätzlich eine Elementarschadenversicherung abgeschlossen wurde. Die gleicht Schäden durch Überschwemmung, Rückstau, Erdbeben, Erdrutsch oder auch Lawinen aus. Eine solche Elementarschadenversicherung kann sowohl für die Wohngebäudeversicherung, als auch für die Hausratversicherung abgeschlossen werden.