E-Commerce

Warum rote Zahlen kein Problem sind

Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer verteidigt die Verluste bei den Beteiligungen

Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer sieht die Beteiligungen seiner Start-up-Fabrik trotz anhaltender Verluste auf Kurs. „Das ist einfach eine notwendige Bedingung im Internet-Markt, dass man zunächst eine kritische Masse erreicht“, sagte Samwer. „Die Alternative wäre, ich folge dem klassischen deutschen Ansatz und sage, nach zwei Jahren muss man profitabel sein, sonst ist es nix. Nur, dann brauchen wir uns gar nicht mit dem Silicon Valley oder China anlegen oder überhaupt erst eine Milliarden-Firma bauen.“

Rocket ist quer durch die Welt an Dutzenden Internet-Firmen beteiligt, die bisher alle rote Zahlen schreiben. Zugleich arbeitet der Berliner Modehändler Zalando, der mit Unterstützung der Samwer-Brüder groß wurde und an dem sie eine Minderheitsbeteiligung halten, inzwischen profitabel. Samwer versichert, dass es auch bei anderen Firmen so laufen werde. „Irgendwann lassen sie ihr Marketing-Budget gleich, dann kommen die Gewinne.“ Rocket Internet habe unter anderem den Vorteil, durch eine gemeinsame technische Plattform für die Unternehmen Kosten sparen zu können.

Für Rocket Internet war zuletzt das Geschäft mit Essenszustellung besonders interessant. „Es gibt hunderttausende Restaurants, Millionen Kunden, und wir haben die Chance gesehen, noch der größte in der Welt werden zu können, zumindest außerhalb Chinas“, sagte Samwer. Rocket-Beteiligungen verarbeiteten inzwischen vier Essensbestellungen pro Sekunde. „Ich glaube, die Leute werden erstaunt sein, wie groß das Geschäft noch wird.“ Und er erklärte: „Wenn wir eine Möglichkeit sehen, dann machen wir das auch ohne wenn und aber. Und wir sind mit Rocket, glaube ich, die einzigen in Europa, die auch ruckzuck 100 Millionen Euro investieren können.“

2016 will Rocket Internet in eine neue Zentrale umziehen: den Büroturm in Kreuzberg, in dem früher die Wohnungsbaugesellschaft GSW residierte. „Wir bleiben dem Standort Berlin treu und haben deshalb auch über 20 000 Quadratmeter neu angemietet, in die Rocket-Firmen einziehen sollen“, sagte Samwer. „Ich denke, dass wir mit allen Unternehmen, die wir unterstützt haben, schon der größte Arbeitgeber in Berlin nach der Regierung sind.“

Samwer gründete die Startup-Fabrik Rocket Internet gemeinsam mit seinen Brüdern Marc und Alexander. Die drei hatten 1999 die Ebay-Kopie Alando gegründet und nur wenige Wochen nach dem Start an das US-Vorbild verkauften. Danach gründeten sie den Klingenton-Anbieter Jamba, den später das Imperium von Rupert Murdoch übernahm. Mit Rocket Internet setzen sie oft Geschäftsmodelle aus dem Silicon Valley international um.

Der Börsengang von Rocket Internet im Oktober vergangenen Jahres machte die Samwer-Brüder zu Milliardären. Rocket Internet hatte rund 1,5 Milliarden Euro eingenommen, die in neue Geschäfte investiert wurden. Der Start-up-Entwickler ist heute an der Börse rund 5,9 Milliarden Euro wert.