Studie

Russland-Krise kostet bis zu 100 Milliarden Euro

Die Wirtschaftskrise in Russland hat weitaus schlimmere Konsequenzen für die Länder der Europäischen Union (EU) und die Schweiz als bislang erwartet.

Nach einer Berechnung des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo) sind europaweit weit mehr als zwei Millionen Arbeitsplätze und rund 100 Milliarden Euro an Wertschöpfung gefährdet. Allein in Deutschland sind es demnach knapp eine halbe Million Arbeitsplätze und rund 27 Milliarden Euro Wertschöpfung.

Die Wissenschaftler gehen in ihrer Studie, die sie für die Allianz führender europäischer Tageszeitungen (LENA) erstellt haben, von einem „Worst-Case-Szenario“ aus. „Die Bedingungen fürs schlimmste Szenario, das wir im Herbst vergangenen Jahres entworfen hatten, sind inzwischen Realität“, sagt Oliver Fritz, einer von drei Autoren der Studie. Dabei spielen die Sanktionen gegen Russland und die russische Reaktion darauf eine entscheidende Rolle. „Verändert sich die Lage nicht grundsätzlich, wird es voraussichtlich so kommen, wie wir es prognostizieren.“

Die europäischen Außenminister wollen am Montag in Brüssel entscheiden, ob sie die Sanktionen gegen Russland fortsetzen. Bereits auf dem G-7-Gipfel in Elmau hatten sich die Regierungschefs darauf verständigt, so lange an den Sanktionen festzuhalten, bis das zweite Waffenstillstandsabkommen für die Ukraine, das im Februar in Minsk geschlossen wurde, umgesetzt ist.

Ändert sich an den Rahmendaten aus dem ersten Quartal 2015 in Russland nichts, könnte die Krise Deutschland mittelfristig etwas mehr als einen Prozentpunkt an Wirtschaftsleistung kosten, wie das Wifo errechnet hat. Keine andere große europäische Volkswirtschaft wäre so stark betroffen. Italien würde demnach etwas mehr als 200.000 Arbeitsplätze und 0,9 Prozent der Wirtschaftskraft verlieren.