Interview

Gnadenfrist für Bahnfahrer: Keine Streiks bis Donnerstag

Zumindest die Wogen scheinen geglättet.

Das ist ein kleiner Erfolg. Drei Wochen lang saßen die Bahn und die Lokführergewerkschaft GDL mit ihren Schlichtern zusammen, ohne Eskalation. Dass sie noch miteinander sprechen, wird auch an Bodo Ramelow und Matthias Platzeck liegen. Doch die Schlichtung muss in die Verlängerung.

Warum konnten sich die Beteiligten noch nicht einigen?

Der Tarifkonflikt sei zu komplex, erklärten die Schlichter, der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und der frühere brandenburgische Regierungschef Matthias Platzeck (SPD). In den vergangenen Wochen habe es aber trotzdem „wichtige Schritte auf dem Weg zu einer Beilegung des Konflikts“ gegeben. Die Atmosphäre in den Beratungen sei konstruktiv.

Was ist so kompliziert?

Da ist zum einen das Tarifwerk der Bahn. Das sei „sehr speziell“, sagte Ramelow in der vergangenen Woche. Noch nie habe er so viel Tarif-Chinesisch lernen müssen. Außerdem ist der Streit zwischen Bahn und GDL wirklich festgefahren, dauert schon ein Jahr.

Worum geht es dabei genau?

Als Kernproblem des Tarifkonflikts gilt die Forderung der GDL, für jede der bei ihr organisierten Berufsgruppen einen eigenständigen Tarifvertrag abschließen zu dürfen. Die Bahn hat der GDL das zwar zugestanden, will aber Regelungen, die widerspruchsfrei zu den Tarifverträgen mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) sind. Die Bahn strebt für ein und dieselbe Tätigkeit die gleiche Bezahlung und die gleichen Arbeitszeiten an.

Welche Berufsgruppen sind das?

Außer den Lokführern, für die die GDL bisher schon die Tarifverträge aushandelte, gehören dazu Zugbegleiter, Bordgastronomen, Lokrangierführer und Disponenten/Planer. Insgesamt geht es um rund 37.000 Beschäftigte, die die GDL zum Zugpersonal zählt. Mit Ausnahme der Lokführer hat bei all diesen Berufsgruppen die EVG die Mehrheit.

Was könnte am Ende des Schlichtungsverfahrens stehen?

Ein fertiger Tarifvertrag wird bei den Gesprächen wohl nicht herauskommen. Im besten Fall verständigen sich Bahn und GDL unter Mithilfe der Schlichter darauf, weiter über bestimmte Punkte zu verhandeln. Möglich sind auch Schlichtersprüche, über die beide Seiten dann noch einmal beraten würden. In diesem Fall sähe es eher nicht nach Einigung aus.

Und wenn eine Einigung misslingt?

Dann stehen die Zeichen nach Ende der vierten Schlichtungswoche, am 25. Juni, wohl auf Streik. Denn dann endet auch die Friedenspflicht, während der nicht gestreikt werden darf.