Gründerzeit

Vom Konzern zum Start-up

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Jürgen Stüber über Bosch und die Berliner Agentur IXDS

Etablierte Firmen tun sich schwer, Start-up-Spirit in ihren Unternehmen zu etablieren, um Innovation zu beschleunigen und neue Geschäftsfelder zu entdecken. Hierarchische Entscheidungsstrukturen und kurzfristige Erfolgsvorgaben im Management schaffen rigide Systeme, in denen wenig Raum für start-up-typisches Querdenkertum ist und in denen Scheitern eher als Programmfehler denn als Chance gesehen wird.

Es geht auch anders, wie Maximilian Einöder bei einem Vortrag in Berlin zeigte. Er trägt bei der Bosch-Gruppe den Titel eines User Experience Manager. Bosch ist den meisten Verbrauchern eher als Hersteller von Kühlschränken, Bohrmaschinen und Autoteilen bekannt, bewegt sich aber längst auf neuen Pfaden und entwickelt unter anderem telemedizinische Hightechprodukte. Einöder begleitet Produktentwicklung und Design.

Im Grunde geht es um das altbekannte Lernen durch eigene Fehler. „Wir haben in unserem Unternehmen eine Ideenbörse gestartet. Innerhalb einer Woche hatten wir 700 Vorschläge gesammelt“, sagt Einöder. Diese wurden geprüft, wobei es zunächst um die Frage ging, ob es für das Produkt einen Markt geben könnte. Die Ideen wurden immer wieder hinterfragt, verworfen oder weiterentwickelt – immer mit der Option, wenig überzeugende Entwicklungen schnell zu stoppen, bevor ein größerer Schaden entsteht. Dieses Verfahren wurde aus der Welt der Start-ups entliehen, das Einöder als schlanke Designinnovation beschreibt.

Was von der Ideenflut nach dem Durchlaufen dieses kreativen Schleudergangs übrig blieb, ging in die Produktentwicklung. Es gab Papiermodelle für die Marktforschung. In vorgetäuschten Onlineshops wurde unternehmensintern die Nachfrage der nur als Idee existierenden Produkte getestet. „Dann haben wir Hardware-Prototypen entwickelt“, sagt Einöder. Auch bei der Namensgebung war man kreativ und schaltete Werbebanner für das fiktive Produkt bei Google. An der Zahl der Klicks konnte man leicht feststellen, ob der Markt lieber ein Produkt mit dem Namenszusatz „Buddy“ oder „Angel“ will. Um was es dabei genau ging, wollte Einöder nicht verraten – irgendwas mit Telemedizin jedenfalls. In ein paar Wochen soll das Produkt auf den Markt kommen.

Prozesse wie diese begleiten Strategie- und Designagenturen wie IXDS. Sie beraten Firmen wie Bosch und BMW. Die in Kreuzberg und München ansässige Agentur entwickelt auch gemeinsam mit Start-ups innovative Plattformen. Etwa Familynet, ein Projekt des Business-Angel Christophe Maire und des Gründers und Managers (Nokia, Readly) Maximilian Schierstädt. Familynet soll eine Plattform werden, auf der haushaltsnahe Dienstleistungen wie Babysitter, Putz- und Lehrkräfte vermittelt und abgerechnet werden. Schierstädt erwartet, dass Familynet noch dieses Jahr startet.

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