Zusammenarbeit

Rolls-Royce schaltet sich mit Liebherr zusammen

Gemeinschaftsunternehmen soll Triebwerksgetriebe bauen

Welche Kräfte auf das neue Triebwerksgetriebe von Rolls-Royce wirken werden, verdeutlichen ein paar Zahlen: Allein für das Fundament des Prüfzentrums in Dahlewitz haben 238 Lastwagen 17 Stunden lang 4560 Tonnen Beton geliefert. Verbaut wurden 285 Tonnen Bewehrungsstahl. In dem Zentrum können Belastungen bis zu 150.000 PS, und Flughöhen von bis zu 12.000 Meter simuliert werden, wenn es im Frühjahr 2016 fertig ist. Entsprechende Kräfte wirken in der Halle, deshalb das stabile Fundament.

Das Getriebe soll in die nächste Generation der Großtriebwerke des britischen Konzerns ausgestattet werden. Von 2025 an könnten damit Großflugzeuge ausgestattet werden. Entwickelt wird es bei Rolls-Royce Deutschland in Dahlewitz, fertigen soll die Teile eine neue Gemeinschaftsfirma mit dem deutschen Familienkonzern Liebherr, bekannt für Kühlschränke, Bagger und Kräne.

Testzentrum für 80 Millionen Euro

Liebherr, ein Industriekonglomerat mit elf Sparten, ist auch ein bedeutender Zulieferer der Luftfahrtindustrie. Das Unternehmen liefert unter anderem Fahrwerke einschließlich Steuerung und Computer, Flugsteuerungen, Luftsysteme für Klimaanlagen und eben Getriebe. Vor allem das Wissen über Getriebe will sich Rolls-Royce zunutze machen, wie Norbert Arndt in Berlin sagte. Arndt ist bei Rolls-Royce für Komponenten zuständig und war für die Verkündung der Zusammenarbeit angereist. Die Kartellbehörden müssen noch zustimmen.

Sitz der neuen Gesellschaft wird Friedrichshafen am Bodensee, wo Liebherr bereits ein Werk hat. Die ersten Teile sollen bei Liebherr gefertigt werden, geht es in die Serienfertigung soll das Gemeinschaftsunternehmen ein Werk aufbauen. Wo das stehen wird, ist unklar. Deutschland habe wegen der hohen Standards aber gute Chancen, sagte Arndt. Das Investitionsvolumen bezifferte er auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag.

Die neuen Triebwerke sollen im Vergleich zu den bisher größten Rolls-Royce-Triebwerken vom Typ Trent XWB wesentlich spritsparender sein. Grundsätzlich gilt: Je mehr Luft durch das Triebwerk geht, desto leistungsstärker und effizienter wird es. Die XWB-Triebwerke, die etwa in den Langstreckenflieger Airbus A380 eingebaut sind, haben einen Durchmesser von drei Metern, die neuen Triebwerke werden deutlich größer. Das Getriebe allein wird vermutlich um die 70 Zentimeter Durchmesser haben. Das Testzentrum in Dahlewitz kostet 80 Millionen Euro. 200 Ingenieure sollen es entwickeln, 50 Stellen sind derzeit noch offen, wie Rainer Hönig, Geschäftsführer von Rolls-Royce Deutschland sagte.