Fluggesellschaften

Ich packe meinen Mini-Koffer ...

Passagiere vieler Airlines müssen sich auf kleineres Handgepäck einstellen

Das dürfte vielen Passagieren überhaupt nicht gefallen. Koffer im Handgepäck sollen zukünftig kleiner werden. Darauf haben sich die führenden Airlines der Welt auf der Jahrestagung des Weltluftfahrtverbandes IATA in Miami Beach geeinigt. Der sogenannte IATA-Standard für Kabinengepäck soll künftig nur noch 55 x 35 x 20 cm betragen. Das wären rund 38.500 Kubikzentimeter Platz für Kleidung, Laptop und Badutensilien. Bislang durften Gepäckstücke, die vom Weltluftfahrtverband als „IATA-Cabin OK“ gekennzeichnet wurden, 56 x 45 x 25 cm groß sein und boten damit rund 40 Prozent mehr Platz. Damit müssen sich Fluggäste künftig genauer überlegen, was und wie sie packen.

Der neue Standard soll garantieren, dass jede der 251 IATA-Airlines einen solchen Koffer in ihren Flugzeugen dann auch wirklich als Handgepäck akzeptiert. Lästiges Messen vor dem Abflug entfällt damit für die Passagiere, werben die Airlines und versuchen mit diesem Argument, die Verärgerung ihrer Kunden in Grenzen zu halten.

Hintergrund dieser Entscheidung ist aber auch, dass die sogenannten etablierten Airlines ihre Angebote immer mehr in verschiedene Einzelteile aufsplitten und zunehmend sogenannte Just-Fly-Tickets zu günstigen Preisen anbieten. Dazu gehört eben auch, dass gar kein, oder nur sehr wenig, Handgepäck, mitgenommen werden darf. Air Berlin hat bereits so einen Tarif, Lufthansa wird ihn demnächst einführen.

Wer mehr Service braucht, kann diesen dann bei der Buchung dazukaufen. Neben mehr Kilogramm gehören zu diesen Zusatzleistungen zum Beispiel auch mehr Platz für die Beine oder Catering. Laut IATA müssen die Mitgliedsairlines diesen Standard nicht zwangsläufig einführen. Aber nach Angaben von IATA-Experte Tom Windmuller haben bereits rund 50 Gesellschaften ihr Interesse signalisiert.

Laut Windmuller haben Kofferhersteller Produkte nach dem neuen IATA-Standard bereits in der Pipeline. Diese sollen bis Ende des Jahres in die Läden kommen und so ausgerüstet sein, dass die Airline automatisch erkennt, dass das Gepäckstück dem neuen Standard entspricht.

Bei den Billigfluggesellschaften in Europa gibt es derzeit noch sehr unterschiedliche Handgepäckregelungen, Ryanair erlaubt zum Beispiel weniger als Easyjet, die seit geraumer Zeit versucht, auch Geschäftskunden in ihre Flugzeuge zu locken. Lufthansa liegt mit derzeit 50.000 Kubikzentimetern genau zwischen beiden Gesellschaften.

Insgesamt geht es der internationalen Luftfahrt immer besser. Dank gesunkener Kerosinpreise und einer besseren Auslastung wird die Branche weltweit dieses Jahr einen Gewinn von 29,3 Milliarden Dollar (26,2 Milliarden Euro) erzielen. Zum ersten Mal seit Beginn ihrer Aufzeichnungen nehme die Branche ihre Eigenkapitalkosten wieder ein, sagte der IATA-Vorsitzende, Tony Tyler, in Miami Beach. Allerdings sei der Gewinn ungleich verteilt, erläuterte Tyler. Rund 15,7 Milliarden Dollar würden allein von nordamerikanischen Fluggesellschaften erzielt. Auch die Konzerne aus dem Nahen Osten wie Emirates oder Etihad verdienten sehr gut. Hingegen laufe das Geschäft der Airlines in Europa, Afrika, Lateinamerika sowie im Asien-Pazifik-Raum eher unterdurchschnittlich.

Pro Passagier verbuchten die Fluggesellschaften damit einen Nettogewinn von durchschnittlich 8,27 Dollar. Dies sei eine „hart erkämpfte“ Nettoumsatzrendite von vier Prozent, sagte Tyler. Stärkster Faktor für die bessere Profitabilität der Fluggesellschaften sei „Effizienz“, sagte Tyler. In diesem Jahr rechne die IATA damit, dass die Maschinen zu 80,2 Prozent ausgelastet sind, was ein Rekordwert sei, sagte der IATA-Chef.