Handel

Eine große Chance für das KaDeWe

Die neuen Eigentümer kennen sich aus mit Luxus und vor allem mit Handel in Europa

Jetzt übernehmen also die Italiener das Sagen beim Luxuskaufhaus KaDeWe. Und nun? Was wird aus dem (West-)Berliner Konsumtempel? Auch einen Tag nach dem jüngsten Eigentümerwechsel hüllt sich das Management der KaDeWe Group in Schweigen. Dabei dürfte der Einstieg der italienischen Kaufhausgruppe La Rinascente mit der finanzstarken thailändischen Central Group im Hintergrund eher gute Laune verbreiten – die Italiener kennen sich aus mit Luxus und vor allem Handel in Europa. Diese Expertise geht der österreichischen Signa-Gruppe des Immobilienentwickler René Benko, der die KaDeWe Group bisher gehörte, etwas ab.

Zunächst einmal dürfte etwas Ruhe einkehren. La Rinascente ist der vierte Eigentümer binnen fünf Jahren, nach Signa, dem Investor Nicolas Berggrün und Arcandor. Wobei die Trennung von Karstadt unter der Ägide Berggrüns vermutlich ein Glücksfall für das Unternehmen war. Berggrün hatte Karstadt 2010 aus der Insolvenzmasse von Arcandor gekauft, die drei Luxuskaufhäuser KaDeWe, Alsterhaus (Hamburg) und Oberpollinger (München) in einer Gesellschaft zusammengefasst und aus Karstadt herausgelöst. Die Gruppe verabschiedete sich von den Bindungen des Konzerns, ist komplett eigenständig – und entsprechend flexibel am Markt. Karstadt kämpft immer noch mit den überkommenen, sperrigen Strukturen.

Jetzt übernehmen die Italiener 50,1 Prozent, den Rest der Anteile hält Benko, der ein Interesse daran hat, dass es der Gruppe gut geht – ihm gehört zum Beispiel die KaDeWe-Immobilie, für die er Miete bekommt. Und von Immobilien versteht er etwas, wie er in Österreich schon gezeigt hat. Offenbar ist bisher nicht geplant, zentrale Einheiten der KaDeWe-Gruppe und La Rinascente zusammenzulegen, die Gesellschaft soll weitgehend eigenständig bleiben. Sinn machen würde das beim Auftritt gegenüber internationalen Spitzenmarken, die in allen Häusern vertreten sind – da zahlt sich die größere Marktmacht dann aus.

Benko und La Rinascente haben Investitionen in dreistelligem Millionenbereich angekündigt, unter anderem für neue Häuser in Prag und Wien. Das KaDeWe als größtes Haus der Gruppe wird auch Geld abbekommen. Und es wird künftig sicher nicht aussehen wie das Stammhaus von La Rinascente in Mailand. Bereits jetzt sind die drei Häuser innerhalb der KaDeWe Group ähnlich aufgestellt, aber berücksichtigen die regionalen Eigenheiten. Diese Eigenheiten glattzubügeln, macht wenig Sinn. Der italienische Konzern betreibt übrigens auch das Luxuskaufhaus Illum in Kopenhagen, dass sich von den italienischen Häusern deutlich unterscheidet.

Natürlich wird sich das KaDeWe wandeln, wie in den vergangenen zwanzig Jahren auch. Schließlich ändert sich der Markt – wie Berlin. Das mit sich selbst beschäftigte, eher graue Berlin von 1995 mit hoher Arbeitslosigkeit kann sich niemand ernsthaft zurückwünschen. Damals fehlte auch die Internationalität, durch die sich die wachsende Stadt heute auszeichnet. Und gerade reiche Touristen zum Beispiel sind wiederum eine Chance für ein Luxushaus wie das KaDeWe, dessen internationaler Ruf trotz aller Unbillen bei Karstadt nicht gelitten hat.