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KaDeWe geht in thailändische Hände

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Michael Gassmann

Karstadt-Eigner Benko holt sich einen Partner. Millionenschwere Investitionen geplant

Die drei Topwarenhäuser Deutschlands werden thailändisch. Die Central Group aus Bangkok übernimmt die Mehrheit am Berliner KaDeWe, dem Oberpollinger in München und dem Hamburger Alsterhaus. Das teilten Central und der bisherige Eigentümer, die österreichische Signa Retail, am Dienstag mit. „Als thailändisches Unternehmen sind wir sehr stolz darauf, dass wir die Möglichkeit haben, drei der besten Warenhäuser Deutschlands zu erwerben“, erklärte Central-Chef Tos Chirathivat.

Central hatte zuvor angekündigt, zehn Milliarden Baht – derzeit rund 270 Millionen Euro – in die Erweiterung des europäischen Geschäfts stecken zu wollen. Der Preis für die Übernahme liege jedoch „weit darunter“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person. Signa wollte dazu zunächst nicht Stellung nehmen.

Signa-Eigentümer René Benko stärkt mit dem Verkauf der Perlen aus seinem Deutschland-Portfolio seine Finanzierungskraft. Dies kommt auch seiner Position im Rennen um Galeria Kaufhof mit ihren mehr als 110 Warenhäusern zugute. In dem preistreibenden Bietergefecht trifft er auf den kanadischen Konzern Hudson’s Bay, der sich ebenfalls den großen Coup im Kampf um die besten Verkaufsflächen in den Großstädten nicht entgehen lassen will. Für die Metro-Tochter ist bisher ein Preis von 2,9 Milliarden Euro im Gespräch.

Die Firmengruppe aus Bangkok übernimmt über die ihr gehörende italienische Warenhauskette La Rinascente 50,1 Prozent an der operativen Gesellschaft, die die drei Warenhäuser betreibt. Die wertvollen Immobilien selbst bleiben im Besitz von Signa. Die Österreicher malen die Perspektive, dass mit dem jüngsten Verkauf die Ära der raschen Eigentümerwechsel vorbei sei, jedenfalls für die drei Nobelwarenhäuser: Die restlichen 49,9 Prozent der Anteile bleiben danach „langfristig im Besitz von Signa Retail“. Gemeinsam mit La Rinascente seien nun weitere Übernahmen in Europa und Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe „auf unserem Weg zu einer integrierten Warenhausgruppe europäischer Prägung“ geplant.

Aus Sicht von Central reiht sich der Kauf von KaDeWe, Oberpollinger und Alsterhaus logisch in die Strategie einer Ausweitung des Geschäfts nach Europa ein. Der Einstieg in Deutschland werde die Präsenz des asiatischen Unternehmens hierzulande deutlich stärken, kündigte Konzernchef Chirathivat an. So werde der Europa-Umsatz des Handelsriesen aus Bangkok sich von 600 Millionen auf 1,2 Milliarden Euro verdoppeln.

Die Central Group hatte den Gang auf den europäischen Markt 2011 begonnen und für 260 Millionen Euro die Kaufhäuser La Rinascente übernommen. Zwei Jahre später folgte Illum in Dänemark. „Deutschland ist auf unserer Landkarte, weil es die größte Volkswirtschaft Europas ist“, erklärte Chef-Berater und Verwaltungsratsmitglied Sudhitham Chirathivat gegenüber der „Bangkok Post“. Zudem sei die deutsche Wirtschaft in guter Verfassung. Generell konzentriere man sich auf Standorte, die Touristenmagnete seien und über eine wachsende Wirtschaftskraft verfügten.

Der Sprecher der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), Leif Erichsen, sagte zu dem Verkauf des KaDeWe: „Die gesunde Mischung macht die Attraktivität des Einzelhandelsstandortes Berlin aus. In der City West ist das KaDeWe als Institution und mit seinem Angebot eine tragende Säule des Einzelhandels. Somit begrüßen wir Entscheidungen, die das KaDeWe und somit den Einzelhandelsstandort in seiner Substanz stärken.“

( mit art )