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Drei Schritte zur Wunschlampe

Junge Berliner Unternehmer vertreiben auf Bestellung handgefertigte Neonlampen und Schriftzüge. Jedes der Stücke ist ein Unikat

Nils Lehnert und Anthony Genillard könnten die Söhne von Thomas Edison sein. Die beiden Jungunternehmer aus Berlin sind nicht nur ebenfalls in der Beleuchtungsbranche tätig. Mit dem legendären Erfinder aus den USA haben sie vor allem eines gemeinsam: Sie waren auf der Suche. Thomas Edison fahndete im 19. Jahrhundert nach dem perfekten Weg, die Menschheit mit Licht zu versorgen, wurde jedoch nicht fündig. Aufgeben gilt nicht, was also tun? Edison konzipierte seinen Traum vom Licht einfach selbst.

Nils Lehnert, 24, und Anthony Genillard, 25, waren ungefähr 150 Jahre später ebenfalls auf der Suche – ebenfalls nach Licht. Genauer gesagt: Eine bezahlbare Neonlampe sollte es sein. Erfolg hatten sie nicht, „zumindest nicht in der Qualität, die wir uns für eine Leuchte vorgestellt hatten“. Also machten es die Freunde wie Edison: Vor gut einem Jahr, im März 2014, ziehen Lehnert und Genillard gemeinsam mit Kommilitone Max Elverfors, 26, in Berlin kurzerhand das Unternehmen „sygns“ auf – und fertigen die Neonlampen seitdem einfach selbst.

Das Besondere: Die drei Jungunternehmer produzieren nach individuellen Wünschen. Auf ihrer Homepage können sich Kunden nach dem „Customise“-Prinzip in drei Schritten ihre leuchtenden Traumobjekte zusammenstellen – ganz egal, ob es sich dabei um ihren Namen („der Dauerbrenner“, sagt Nils Lehnert), ein Logo für ein Unternehmen oder auch gegenständliche oder abstrakte Symbole handelt. Einen Buchstaben in der favorisierten Farbe und Größe gibt es ab 35 Euro, ein Schriftzug kostet ab 105 Euro. Auch über die Kabelfarbe und Elektrodenstellung kann der Kunde selbst bestimmen.

Glasbläser aus Brandenburg

Ist die Bestellung im Postfach, geht es für Lehnert und Genillard, die an der Mailänder Bocconi-Universität Wirtschaft studiert haben, ins Berliner Umland. Dort fertigen einige der letzten Glasbläser Deutschlands die filigranen Leuchtröhren in aufwendiger Handarbeit für sie an. Lange gedulden müssen sich die Kunden nicht: Innerhalb von nur zwei Wochen hängen die Einzelstücke in ihrem Zuhause, mitunter sogar von den „sygns“-Unternehmensgründern selbst in Szene gesetzt.

Zumindest falls es ihre Zeit erlaubt. Denn die Herausforderungen, die eine eigene Firma mit sich bringt, wollen bewältigt werden – etwa die monatliche Umsatzsteuererklärung. „Hier kann sicher noch einiges vereinfacht werden für junge Gründer beziehungsweise Aufklärung über diese Prozesse in staatlichen Universitäten angeboten werden“, sagt Nils Lehnert.

Was das Thema Eigenmarketing betrifft, kennt sich das Team inzwischen gut aus. Regelmäßig präsentieren Lehnert, Genillard und Elverfors, der das Unternehmen von Göteborg aus betreut, ihre Objekte auf großen Messen wie der Premium, bei der sie sogar für das Lichtdesign zuständig gewesen sind. Auch auf Designschauen sind sie aktiv, zuletzt im Januar in Paris und im Februar in Stockholm. Selbstverständlich, dass sie in Berlin beim Gallery Weekend Anfang Mai dabei waren – einem idealen Ort, um Kontakte in die Kunstszene zu knüpfen. Schließlich können Interessierte bei „sygns“ nicht nur Leuchtobjekte nach ihren Vorstellungen anfertigen lassen, sondern sich auch für die Entwürfe von Künstlern wie Georg Weissbach, Cosima zu Knyphausen, Oliver Kossack und Markus Mai sowie den Studios weissschwarz und anschlaege.de begeistern.

Auch in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig sind vier limitierte Editionen entstanden. Die Werke, beispielsweise der Schriftzug „Manet, Monet, Money“ in pink, weiß und türkis leuchtenden Röhren, kosten dann aber auch schon mal ein paar Tausend Euro.

Ihr Instagram-Account, der die vielen Arbeiten für beispielsweise BMW und das Designhotel „Ellington“ zeigt, hat inzwischen mehr als 2300 Abonnenten. Wie wichtig ist dem Team der Vermarktungsweg über soziale Medien? „Da Nutzer echte Zeit auf diesen Kanälen verbringen, müssen Firmen, die ihre Angebote an Privatpersonen vermarkten, auch ganz klar dort Präsenz zeigen“, sagt Anthony Genillard. Zu ihren bekanntesten, auf der Foto-App präsentierten Objekten gehört eine leuchtende Wolke, die in großer Zahl auch schon auf einer Berlinale-Veranstaltung für Wim Wenders zu sehen war. Auch in zahlreichen Restaurants in der Stadt, etwa beim Japanar „Oukan“ oder dem Vietnamesen „Monsier Vuong“ – beide in Mitte –, wetteifert „sygns“ mit den Gerichten um das Wohlgefallen der Gäste. Thomas Edison wäre sicher stolz wie ein Vater.