Gründerzeit

Wachstum im Schatten von Uber

Jürgen Stüber über den Limousinendienst Blacklane, der sich an Gesetze hält und trotzdem erfolgreich ist

Sein Auto hat Frank Steuer vor drei Jahren verkauft. Seitdem fährt er Taxi, Mietwagen und Blacklane. Er vermisst das eigene Auto nicht. Und mehr Geld als früher gibt er für seine Mobilität auch nicht aus. Steuer ist sich sicher, dass viele Menschen in urbanen Räumen in Zukunft diesem Beispiel folgen werden. Steuer hat vor vier Jahren den Chauffeurservice Blacklane zusammen mit Jens Wohltorf gegründet. Das Unternehmen hat jetzt drei Etagen in einem Schöneberger Gewerbekomplex gemietet. Dort ist Platz für bis zu 1000 Angestellte. Das sollte bis zum Jahr 2018 reichen. Momentan hat das Unternehmen, in das unter anderem der Autokonzern Daimler und der Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer investiert haben, 180 Angestellte.

Blacklane wächst rasant – um mehr als 100 Prozent alle vier Monate. Inzwischen vermittelt das Unternehmen Touren in 10.000 Fahrzeugen, die weltweit in 200 Städten unterwegs sind. Mehrere Hunderttausend Fahrgäste werden monatlich transportiert. Die Hälfte seines Geschäftes macht das Unternehmen in Europa, ein Drittel in den USA. „China wird für uns immer interessanter“, sagt der Geschäftsführer Jens Wohltorf. Blacklane ist inzwischen in fünf chinesischen Städten aktiv. Genauere Zahlen wollen die Gründer nicht nennen.

Blacklane sieht sich als Dienstleister für die erste und letzte Meile einer Reise, egal wohin diese führt. Zielgruppe des Unternehmens sind vor allem Geschäftsreisende, die nicht mehr über ihre Mobilität nachdenken wollen. Ihnen kommt es auf Qualität und Zuverlässigkeit an. Für diese Kundschaft ist es wichtig, wie sie ihr Ziel erreicht. Das sind Leute, die ungern warten, die den Luxus von Oberklasse-Limousinen schätzen und sich in abgeranzten Taxen nicht wohlfühlen.

Den Streit zwischen der deutschen Taxi-Lobby und dem amerikanischen Transportdienstleister Uber, der in der Vergangenheit Gerichte in Berlin, Hamburg und Frankfurt beschäftigt hat, sieht sich Blacklane zufrieden an. Denn auch Wohltorf und Steuer sind davon überzeugt, dass die Personenbeförderung in Deutschland dereguliert werden muss. Die Rückkehrpflicht für Mietwagen sei staatlich verordnete Ineffizienz, sagen die Gründer. Allerdings setzt sich Blacklane – anders als Uber – nicht provokativ und vorsätzlich über die Rechtslage hinweg. Alle Fahrer sind konzessioniert, die Fahrgäste versichert, die Fahrzeuge technisch überwacht. Stolz erklären die Gründer, dass ihr Unternehmen in keinen Rechtsstreit verwickelt ist, in dem es um regulatorische Fragen geht.

Wohltorf sieht Uber als eine reine Logistikplattform, die heute Menschen transportiert und in der Zukunft womöglich Waren. Das eigene Unternehmen betrachtet er dagegen als Mobilitätsdienstleister. Anders als bei Uber, wo Fahrzeuge bei Bedarf per App geordert werden können, muss bei Blacklane bestellt werden. Nur so lasse sich der aktuelle Qualitätsstandard halten, sagt Wohltorf. „On demand geht das nicht.“

Der Limousinenservice ist für ihn erst der Anfang eines großen Wandels innerhalb der Mobilitätsdienstleistungen. Eine weitere Innovation steht auf dem Firmenparkplatz: ein Smart-Kleinwagen. „Warum muss man mit zwei Tonnen Blech durch die Stadt fahren. 70 Prozent der Fahrgäste sind allein unterwegs und haben nur ein Gepäckstück dabei“, sagt Wohltorf. Ein Pilotprojekt in Berlin, Geschäftsreisende im Smart zu kutschieren, sei sehr positiv verlaufen. Blacklane bot diese Fahrten zu Tarifen 20 Prozent unter Taxiniveau an. „Diese Idee ist genial“, sagt Wohltorf. Man habe das Projekt allerdings vorerst auf Eis gelegt, weil man sich nicht verzetteln und auf den Ausbau der Limousinendienste konzentrieren wollte.