Erfolg

Ein Signal an die Gründerszene

Mit dem Verkauf von 6Wunderkinder an Microsoft hilft Christian Reber dem Image Berlins

Käppi statt Föhnfrisur, leiser Auftritt statt markiger Worte: Schon äußerlich fällt Christian Reber in Berlins von Betriebswirten geprägter Start-up-Szene aus dem Rahmen. Und spätestens seit dieser Woche gilt das auch wirtschaftlich. Denn dem Chef von „6Wunderkinder“ ist gelungen, was die wenigsten deutschen Start-ups schaffen: Die Tech-Riesen aus den USA investieren in seine Firma. 2013 stieg der Facebook-, Google- und Apple-Investor Sequoia Capital in sein Start-up ein, in dieser Woche folgte die Übernahme durch Microsoft. Damit dürfte der 28-Jährige zum Multimillionär geworden sein. Laut „Wall Street Journal“ hat Microsoft zwischen 100 und 200 Millionen Dollar für das Unternehmen gezahlt, das Reber zusammen mit fünf Freunden gegründet hat.

Reber, der in Brandenburg an der Havel zur Schule ging, hat Informatik studiert. So wie viele Gründer im kalifornischen Silicon Valley. Und anders als ein Großteil der Start-up-Unternehmer an der Spree, von denen viele einen Abschluss in Betriebswirtschaftslehre von Deutschlands bekanntester Gründer-Uni WHU vorweisen können. Während sich andere Chefs gerne auf den zahlreichen Konferenzen in der Hauptstadt herumtreiben und die Außendarstellung ihrer Firma optimieren, konzentriert sich Reber auf seine Mitarbeiter und das Produkt. Was sich Microsoft einkauft, sind daher nicht nur die vielen Nutzer der App, sondern vor allem ein Team, das in Berlins Start-up-Szene bewundert wird. Immerhin setzte sich Wunderlist in einem extrem umkämpften Markt gegen Tausende andere To-do-Listen-Anbieter durch.

Der Weg dahin war nicht einfach, schreibt Investor Frank Thelen in einem aktuellen Blog-Artikel. In einer Phase, in der das Unternehmen zu scheitern drohte, entschied sich Reber, die bisherige Software gleichsam wegzuwerfen und neu zu beginnen. Erst mit Wunderlist 2 stellte sich Ende 2012 der große Erfolg ein. So bescheiden Reber als Person auftritt, so ambitioniert war er immer als Gründer: 100 Millionen Nutzer nannte er einmal als Ziel. Ein Unternehmen zu schaffen, das bleibt, lautete seine Mission. Auf einen schnellen Exit, also den Verkauf des Unternehmens, der ihn zum Multimillionär macht, sei er nicht aus – sagte er. Manche in der Start-up-Szene hatten 6Wunderkinder auch deshalb als Kandidaten für einen fernen Börsengang gehandelt und träumten von einem „Facebook aus Deutschland“.

Nun aber ist Reber zum Microsoft-Mitarbeiter geworden, auch wenn das Team in Berlin bleibt. Die Entscheidung fiel offenbar schwer: „Frank, mein Herz sagt Nein, aber mein Verstand sagt Ja“, soll er zu Investor Thelen gesagt haben. Der Verkauf ist ein Signal für alle, die Berlins Gründerboom nur für ein Strohfeuer gehalten haben.