Steuern

Geld zurück für Streik-Opfer

Kita, Bahn oder Post: Wenn Angestellte in den Ausstand treten, können Bürger einen Teil der Kosten zurückverlangen

Seit Wochen kämpfen die Deutschen mit den Folgen von Streiks. Wer aus diesem Grunde eine Ersatzbetreuung fürs Kind engagieren, auf Mietwagen, Fernbus oder Post-Kurierdienst ausweichen muss, zahlt meist drauf. Ein kleiner Trost: Bürger müssen nicht alle Zusatzkosten allein schultern, wie Christina Georgiadis von der Vereinigten Lohnsteuerhilfe (VLH) erklärt.

Kitastreik Grundsätzlich gilt: Betreuungskosten für die Kinder lassen sich von der Steuer absetzen, und zwar bis die Kleinen 14 Jahre alt sind. Dazu zählen die Kosten für die Tagesmutter, den Kindergarten oder einen Babysitter. Maximal 4000 Euro im Jahr an Kinderbetreuungskosten dürfen in die Steuer hineingepackt werden. Diese Steuersparchance gilt auch dann, wenn Kindergarten, Hort und Kita wegen Streiks geschlossen sind. Bitten Eltern in diesem Fall einen Babysitter, auf die Kinder aufzupassen, können sie auch diese Kosten beim Finanzamt geltend machen. „Wichtig ist daher, dass Eltern dem Babysitter den Lohn so auszahlen, dass sie die Stunden und Kosten schriftlich nachweisen können“, rät VLH-Sprecherin Georgiadis. Dazu sollten die Eltern am besten noch einen Arbeitsvertrag aufsetzen. Außerdem wichtig: Der Babysitter sollte eine Rechnung stellen, damit die Eltern die Aufwendungen überweisen können und einen Banknachweis haben.

Bahnstreik Für Berufstätige, denen wegen eines Bahnstreiks Kosten durch Mitfahrgelegenheiten oder den Umstieg auf den Fernbus entstehen, gibt es eine solche Chance nicht. Sie bleiben auf ihren streikbedingten Extraausgaben sitzen. Pendler, die sich einen Mietwagen zur Überbrückung nehmen, können wenigstens ihre Fahrtkosten nach der Pendlerpauschale steuerlich abrechnen. Aber nicht auch noch die Bahnkarte. Doch kann es lohnen, jetzt neu zu rechnen, was die bessere Abrechnungsart ist. Und das geht so: Wer in der Regel mit der Bahn zur Arbeit fährt und aufgrund des Streiks auf das Auto umsteigen muss, berechnet zunächst alle Fahrten des Jahres mit der Pendlerpauschale – egal ob Auto oder Bahn. Danach zeigt der Summenvergleich, ob es günstiger ist, die Pendlerpauschale anzugeben oder die tatsächlichen Kosten für die Bahnfahrten.

Auch vom Unternehmen gibt es für Betroffene Geld. Die Deutsche Bahn kann sich bei einem Streik nicht auf höhere Gewalt berufen und so die Entschädigung ablehnen. Wer durch den Streik Züge verpasst hat oder verspätet angekommen ist, kann sich Geld von der Bahn zurückholen. Kommt ein Fahrgast mindestens eine Stunde zu spät am Ziel an, muss das verantwortliche Bahnunternehmen 25 Prozent des Fahrpreises erstatten. Bei zwei Stunden Verspätung sind es 50 Prozent. Der Aufpreis für den ICE-Sprinter wird schon ab 30 Minuten Verspätung erstattet. Wird eine Übernachtung nötig, muss die Bahn die Kosten für ein Hotelzimmer tragen.

Poststreik Bei einem Streik der Deutschen Post ist die Lage nicht gerade rosig für Kunden. Das Unternehmen lehnt eine Haftung im Streikfall ab. Weichen Verbraucher auf einen Fahrradkurier aus oder beauftragen sie einen Konkurrenzbetrieb der Post, müssen sie solche Aufwendungen meist selbst tragen. Briefe oder Pakete, die privat versendet werden, können grundsätzlich nicht steuerlich geltend gemacht werden. Anders sieht es aus, wenn ein Bürger Briefe, Päckchen und Pakete aus beruflichen Gründen verschickt. Darunter fällt nicht nur Post, wenn man beispielsweise Vermieter oder Selbstständiger ist. Auch als einfacher Arbeitnehmer kann man manche Briefe absetzen.