Gründerzeit

Content für Vorzeigefrauen

Das Onlineportal Edition F wollen mit Texten, Werbung und Stellenanzeigen ambitionierte Frauen ansprechen. In Zukunft sollen nutzergenerierte Beiträge eine größere Rolle spielen

Wenn Nora-Vanessa Wohlert im Flugzeug sitzt, blättert sie gern in der Zeitschrift Gala. Das sei unterhaltend, sagt sie. Doch von Frauen-Magazinen erwartet sie mehr. Deshalb hat sie im Februar 2014 Edition F gegründet, ein Onlineportal für Frauen ab 25 – mit einem Magazin, einer Jobbörse und einem Shop. Über ihr Projekt sprach sie jetzt gemeinsam mit ihrer Co-Gründerin Susann Hoffmann bei den öffentlichen Vorlesungen des German Tech Entrepreneurship Center (gtec) in Berlin.

Bevor sie Gründerinnen wurden, arbeitete Wohlert als Redaktionsleiterin des Branchendiensts „Gründerszene“. Hoffmann war PR- und Strategieberaterin bei der Agentur Scholz&Friends. Inzwischen gelten sie als die Vorzeigefrauen der mehrheitlich männlichen Berliner Startup-Szene – neben Julia Bösch (Outfittery), Lea-Sophie Cramer (Amorelie), Ida Tin (Clue) und Verena Pausder (Fox&Sheep).

Wohlert und Hoffmann haben Edition F als einen Ort konzipiert, an dem sich Autorinnen, Expertinnen und die Community vernetzen und austauschen können. Die Plattform ist ein Mix aus Texten, Werbung und Stellenanzeigen. Sie soll ein „digitales Zuhause“ für ambitionierte, junge Frauen sein, heißt es auf der Website. Diesen Begriff benutzen auch die Gründerinnen gerne, wenn sie ihr Projekt beschreiben.

Zu ihren Zukunftsplänen sagen sie, der Austausch innerhalb der Community solle künftig eine größere Rolle spielen – mit dem Ergebnis, dass mehr nutzergenerierte Beiträge auf der Seite landen. „Wir wollen Verantwortung abgeben und uns öffnen“, sagt Susann Hoffmann. Edition F solle zu einer Plattform werden, an der sich die Nutzerinnen beteiligen können nicht nur mit redaktionellen Beiträgen, sondern auch mit ihrer Expertise. Das Startup plant Workshops, Beratung und Coaching von und für junge Frauen aus der Community mit Themen aus dem Spektrum zwischen Lifestyle und Business.

Mit solchen Angeboten will Edition F Geld verdienen, das die Gründerinnen über ein Freemium-Modell erwirtschaften wollen – also einem kostenfreien Basiszuggang und kostenpflichtigen Extraangeboten. Ferner soll es Werbung im redaktionellen Umfeld geben (Native Advertising). Besser als erwartet läuft nach Darstellung der Gründerinnen die Jobbörse des Portals, in der Unternehmen nicht nur Anzeigen schalten, sondern auch Unternehmensprofile präsentieren können. Vor allem Startups, Werbewirtschaft und Medienunternehmen bieten dort Stellen an.

Das Startup muss auch Geld verdienen, denn es ist nicht gerade mit Investorenkapital gesegnet. Bei einer Crowdfunding-Kampagne Ende 2014 auf der Plattform Companisto kamen 255.000 Euro zusammen. Ferner haben zwei Businessangel Kapital in das Projekt gesteckt. Die Summe ist unbekannt. „Ende des Jahres 2015 planen wir eine weitere Runde“, sagt Nora-Vanessa Wohlert, die nicht noch einmal mit einer so dünnen Kapitaldecke an den Start gehen würde. „Ich würde versuchen, mit der doppelten Summe zu starten“, sagt sie. Das schaffe Freiräume, in denen sich Gründer auf ihre Arbeit konzentrieren können. „Der Abschluss einer Finanzierungsrunde dauert sechs Monate“, sagt sie. Das ist Zeit, die Gründer besser in ihr Projekt investieren können.

Edition F hat 15.000 registrierte Nutzer, wie Susann Hoffmann sagt. Übrigens: Jeder sechste Nutzer von Edition F gehört nicht zur Kernzielgruppe: Der Männeranteil beträgt 18 Prozent.

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