Verbraucher

Google nimmt dem Smartphone-Nutzer das Denken ab

Internetkonzern will Daten künftig noch stärker verknüpfen

Das Ziel von Google ist es, die Informationen der Welt zu organisieren und für alle zu jeder Zeit zugänglich und nutzbar zu machen“, zitierte Google-Produktchef in San Francisco das Unternehmensmotto. Was Google dazu präsentierte, dürfte Fans und Kritiker des Konzerns gleichermaßen in ihrer Meinung gefestigt haben: „Wir wollen dem Nutzer Informationen geben, bevor er überhaupt weiß, dass er diese benötigt“, sagte Pichai. Der Software-Assistent für Android-Smartphones, Google Now, solle künftig aktiver helfen und dafür die Zusammenhänge besser verstehen, in denen sich der Nutzer gerade befindet.

Damit das funktioniert, benötigt Google eins: noch mehr Daten. Ort, Zeit, Musik oder der Inhalt von Apps und persönlichen Nachrichten – auf all das soll Google Now zugreifen, um dem Nutzer seine Fragen besser beantworten zu können oder gleich Antworten und Hinweise zu geben, ohne dass je danach gefragt worden wäre. So soll Google Now nicht nur beantworten können, wo das Auto geparkt wurde, sondern auch, wo die Milch gekauft werden kann, die der Ehepartner eben in einer Textnachricht erwähnte.

„Smartphones müssen noch smarter werden“, sagte Aparna Chennapragada, Produktchefin von Google Now. Es gehe darum, den Nutzer Dinge erledigen zu lassen und die dafür erforderlichen Handlungen vorzuschlagen. So schlägt Google Now künftig zum Beispiel vor, eine Erinnerung im Kalender zu erstellen, wenn der Ehepartner in einer SMS erwähnte, dass er vergessen habe, die Wäsche noch von der Wäscherei abzuholen, und liefert auf Wunsch auch gleich die Route dorthin. Stärker noch als bisher will Google außerdem Zusammenhang und Umstände beachten, wenn der Nutzer eine Frage stellt. So soll die Frage „Wie heißt er mit vollem Namen?“ ausreichen, damit der volle bürgerliche Name des Musiker Skrillex erscheint, falls dessen Musik gerade gespielt wird.

Die Funktion „Now on Tap“ zeigt außerdem je nach Kontext weiterführende Informationen zu den Inhalten in einer App an. Wird in einer E-Mail beispielsweise ein Film erwähnt, zeigt Now on Tap die Bewertungen des Films auf verschiedenen Plattformen sowie einen Link zum Filmtrailer auf YouTube an.

Für all das will Google noch mehr Informationen aus Smartphone-Programmen herausziehen: Schon mehr als 100 Apps ließen sich von Google auch inhaltlich erfassen, sodass kontextsensitive Informationen bereitgestellt werden können, hieß es. Auch eine Kampfansage an Apple darf bei einem Google-Event natürlich nicht fehlen: Google-User dürfen künftig unendlich viele Fotos und Videos im Netz speichern. Die App dazu heißt Google Photos und steht auch für Apples iPhone und iPad zur Verfügung.