Kostendisziplin

Lokführer-Streik frisst Gewinn der Bahn auf

Berlins Wirtschaft kann jede Ansiedlung brauchen.

Und so war der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) sichtlich froh, dass Bahn-Chef Rüdiger Grube die bislang weit verstreute Buchhaltung des DB-Konzerns für Deutschland in Berlin bündelt und bei der Einweihung nach eigenen Worten „ein starkes Bekenntnis zur Hauptstadt“ abgab. Grube gibt die aber auch für Bukarest oder Manila ab, die Hauptstadt der Philippinen. Dort sitzt künftig das Gros der Deutsche-Bahn-Buchhalter.

„In Bukarest gibt es zum Beispiel jedes Jahr 20.000 BWL-Absolventen. Das Ausbildungsniveau ist ausgezeichnet und mit Abgängern hier in Deutschland sehr wohl vergleichbar“, sagt DB-Finanzvorstand Richard Lutz. Aber die Nachwuchskräfte in der rumänischen Hauptstadt sind deutlich billiger als hierzulande. Und der Mann der Kassen schaut derzeit auf jeden Euro, strikte Kostendisziplin ist bei der Bahn angesagt – zurzeit mehr denn je. Unter anderem auch, weil der Arbeitskampf der Lokführergewerkschaft den letzten Rest des Gewinns des DB-Konzerns auffressen könnte. Wenn der Bahnvorstand nicht aufpasst, rutscht der DB-Konzern in diesem Jahr ins Minus. Es wäre das erste Mal seit Jahren und eine wenig schöne Premiere der Ära Grube.

Die Deutsche Bahn gilt als milliardenschwere Cashcow, ein Bild, das nach Hartmut Mehdorn auch Rüdiger Grube sorgsam pflegt. Tatsächlich hat der Konzern 2014 ein operatives Ergebnis von 2,1 Milliarden Euro ausgewiesen, und das war bereits weniger als 2013. Doch Finanzchef Lutz hatte schon auf der Bilanzpressekonferenz im März klar gemacht, dass die Bahn nicht die Geldmaschine ist, für die man sie hält.

Denn die 2,1 Milliarden sind Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit), an dieser Kennzahl lässt sich auch die Bahn jedes Jahr messen. Doch im Fall von 2014 muss man davon rund 800 Millionen Euro für Zinszahlungen abziehen. Der Konzern ist immerhin mit rund 17 Milliarden Euro verschuldet. Außerdem müssen 200 Millionen Euro Ertragssteuern und 700 Millionen Euro Dividende an den Bund gezahlt werden. Hinzu kommen weitere Belastungen. „Am Ende bleiben für 2014, wenn wir alle Kosten und Aufwendungen abziehen, 288 Millionen Euro in der Kasse“, rechnete Lutz vor.

Das ist eine ziemlich ernüchternde Zahl. „Die Streiks der Lokführergewerkschaft GDL haben uns schon seit dem vergangenen Herbst bisher weit mehr als 300 Millionen Euro gekostet“, bilanziert Lutz. Dass die Bahn 2015 ins Minus rutscht, können Grube und Lutz nur verhindern, wenn sie die Einnahmen kräftig steigern, die Kosten senken und den Konzern insgesamt effizienter führen. Ob all das gelingt, ist fraglich. „Was den Gewinn angeht, wird dieses Jahr eine echte Herausforderung für uns“, sagt Lutz.