Studie

Berlin bleibt digitales Mittelfeld

Im deutschlandweiten Städtevergleich erreicht Berlin nur einen siebten Platz

Berlin glaubt zwar immer, die Stadt der Start-ups zu sein. Unter den digitalen Zentren in Deutschland aber erreicht die Stadt nur einen siebten Platz. Das geht aus einer Studie hervor, die von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC am Montag vorgelegt wurde. Anhand von 20 Kriterien hat das Unternehmen in Zusammenarbeit mit der Universität Bonn die Bereiche Verwaltung und Politik, Kommunikation, digitale Infrastruktur und Energie in den 25 bevölkerungsreichsten deutschen Städtern untersucht.

Mit 16,4 von 20 möglichen Punkten erreichte Köln die beste Wertung, gefolgt von Hamburg (15,6) und München 15,5). Die folgenden Plätze belegen Bonn, Düsseldorf und Leipzig. Berlin erreichte nur 13,5 Punkte und landete damit auf Platz sieben.

„Nur in neun der 25 von uns im Detail untersuchten Städte können Bürger zum Beispiel einen Anwohnerparkausweis online beantragen. Online-Gewerbeanmeldungen, die etwa in den Vereinigten Staaten seit Jahren zum Standard zählen, bietet nur Bremen an“, wird Felix Hasse, Partner bei PwC und dort für Digitalisierungsfragen zuständig, in einer Mitteilung zitiert. „Vor allem die Chance, Bürger online an kommunalen Entscheidungen teilhaben zu lassen, bleibt vielfach ungenutzt.“

„Eine entwickelte digitale Infrastruktur ist für die Kommunen schon heute ein zentraler Standortfaktor. Ihre Attraktivität für Bewohner, Arbeitnehmer und Unternehmen hängt entscheidend von ihrem Digitalisierungsfortschritt ab“, erklärte Alfred Höhn von PwC. So sei der Anteil der Hochqualifizierten unter den zehn Städten, die am besten abgeschnitten hatten, mit 20,2 Prozent deutlich höher als unter den restlichen 15 Städten mit 14,7 Prozent. Auch die Bevölkerung der Städte auf den Plätzen eins bis zehn wuchs durchschnittlich mit 3,9 Prozent fast doppelt so stark wie in den anderen Städten (zwei Prozent).

64 Prozent der befragten Kommunen nennen die angespannte Haushaltslage als wesentliches Hindernis für eine weitere Digitalisierung. Auch der Ausbau des Breitbandnetzes ist ein zentrales Problem. Deutschland liege im internationalen Vergleich in diesem Punkt deutlich zurück. Der Studie zufolge halten lediglich Köln und Bonn für 95 Prozent der Haushalte ein Breitbandnetz von mindestens 50 Mbit/s vor. Nachholbedarf gibt es auch beim Ausbau der digitalen Mobilfunknetze, wie Reisende in Berlin täglich feststellen können. In vielen U-Bahnen gibt es nur eine unzureichende Netzabdeckung.

„Es besteht die Gefahr, dass sich der digitale Graben zwischen den fortschrittlichen Kommunen und denjenigen weiter vertieft, die die Digitalisierung nicht systematisch in Angriff nehmen“, wird der Co-Autor der Studie, Professor Claus Wiegandt vom Geographischen Institut Bonn von PwC zitiert.

Seit Jahren wurde in Berlin ohne erkennbares Ergebnis über die Einführung eines öffentlichen WLAN-Netzes debattiert. Zuletzt hatte es geheißen, noch im Jahr 2015 solle es öffentliches Drahtlos-Internet geben. Eine Entscheidung über den Anbieter war für Mai angekündigt worden. Sieben Firmen hatten sich beworben, darunter namhafte Anbieter und Start-up-Unternehmen. Nach dem Zuschlag werde es bis zur Bereitstellung nur wenige Monate dauern. Auf öffentlichen Gebäuden wie Bürgerämtern und Rathäusern sollen Hotspots angebracht werden. Ein flächendeckendes Netz dürfte es zunächst wohl kaum geben.

Die gesamte Studie ist im Netz unter www.pwc.de/digitale_stadt abrufbar.