Stadtplanung

Was die Megastädte Asiens von Berlin lernen können

In Deutschland mag Berlin die einzige echte Großstadt sein, im internationalen Vergleich vor allem mit den Megastädten Asiens ist Berlin eher übersichtlich.

Dennoch kommen vom nächsten Montag an wieder 2000 Gäste aus 17 asiatischen Staaten für zwei Wochen nach Berlin – es geht vor allem darum, wie die Metropolen der Zukunft mit Bevölkerungswachstum, Verkehr, Wasserversorgung, Müll und ähnlichem umgehen. „Das Ausmaß ist anders, aber die Probleme sind im Prinzip gleich“, sagt Shi Mingde, Chinas Botschafter in Deutschland. Und Berlin mit seiner technologischen Kompetenz könne in vielen Bereichen Vorbild für andere sein, sagt Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU).

Kultureller Austausch

Jedenfalls ist das Thema der Asien-Pazifik-Wochen in diesem Jahr Smart City. Vom 18. bis 29. Mai sind zahlreiche Veranstaltungen geplant, bei denen sich Vertreter aus Deutschland und Ländern wie China und Indonesien, Japan und Vietnam beteiligen. Erstmals läuft auch die Messe Metropolitan Solutions in Berlin, bisher war das eine Nebenveranstaltung der Industriemesse in Hannover.

Organisiert werden die Asien-Pazifik-Wochen von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Hauptsponsoren sind Daimler und Siemens. Es ist bereits die zehnte Veranstaltung dieser Art. Gestartet war sie zum kulturellen Austausch, inzwischen geht es immer mehr um wirtschaftliche Fragen. Oder, wie es der chinesische Botschafter formulierte: „Die Veranstaltung ist wesentlich substanzieller geworden.“ Vor allem China steht vor großen Herausforderungen. Erstmals gebe es mehr Stadt- als Landbevölkerung, sagt Shi. Jährlich zögen zehn Millionen Bauern in die Städte, was Probleme für Verkehr, Verwaltung und Umwelt bedeute. Er nennt den Smog in Peking. Da könne China viel von den Erfahrungen deutscher und anderer Städte lernen. „Wir wollen die Fehler, die die anderen gemacht haben, möglichst nicht wiederholen.“

Auch Indonesien erhofft sich von den Erfahrungen anderer Städte viel für die eigene Entwicklung, etwa Djakartas. In der Hauptstadt leben rund zehn Millionen Menschen. Doch Smart-City-Lösungen sind kaum möglich, wenn der Staat nicht genau weiß, wie viele Menschen im Land leben. Deshalb erfasse sein Land gerade alle 250 Millionen Einwohner, sagte Botschafter Fauzi Bowo, jeder bekomme eine unverwechselbare Nummer. Darauf sollen unter anderem Sozialversicherung, Wasser- und Stromversorgung aufbauen.

Von dem Interesse der Asiaten an deutschen Lösungen profitieren auch Berliner Firmen. Alba zum Beispiel. Das Recyclingunternehmen hat gerade einen Großauftrag für die Müllentsorgung in Hongkong gewonnen und betreibt zum Beispiel in der Sechs-Millionen-Stadt Jieyang ein Pilotprojekt. Dabei wird aus Siedlungsabfällen sogenannte grüne Kohle als Brennstoff für Kraftwerke. Der Wert der Exporte Berliner Firmen hat sich zwischen 2005 und 2014 praktisch auf drei Milliarden Euro verdoppelt.