Umstrukturierung

Neue Sparrunde bei Siemens

In Deutschland fallen 2200 Stellen weg. Vorstandschef Kaeser will Personalkosten senken

Zunächst einmal liefert Siemens-Chef Joe Kaeser gute Nachrichten: der größte Auftrag für Regionalzüge in Nordrhein-Westfalen, den Siemens je erhalten hat, Wert 1,7 Milliarden Euro. Der Kraftwerksauftrag für Gas- und Windkraftwerke in Ägypten inklusive Bau einer Rotorfabrik, Wert ab 2017 geschätzte fünf bis zehn Milliarden Euro. Und es gibt noch den Quartalsgewinn von 3,9 (Vorjahr 1,1) Milliarden Euro, gestiegen dank zahlreicher Beteiligungsverkäufe. Und: Der Konzernumbau, bei dem eine Managementebene gestrichen und die Struktur vereinfacht wurde, ist nach knapp acht Monaten weitgehend umgesetzt. Doch dann kommen die Baustellen.

Im Zuge eines neuen Sparprogramms sollen 4500 weitere Stellen wegfallen, allein 2200 in Deutschland. Es trifft vor allem die Sparte Power & Gas, zu der das Gasturbinenwerk in Berlin gehört. Zudem schaut sich der Konzern schwächelnde Unternehmensteile mit einem Umsatz von 15 Milliarden Euro an, das entspricht 20 Prozent des Gesamtgeschäfts auf Basis des Umsatzes von 2013. Siemens will die Bereiche weitgehend in Eigenregie wieder auf Gewinn trimmen.

So soll das Kompressorengeschäft, das zwar eine Milliarde Euro umsetzt, aber kein Geld verdient, wie Kaeser sagte, im hochprofitablen Kompressorengeschäft von Dresser Rand aufgehen. Siemens will die Übernahme des US-Konzerns in der zweiten Jahreshälfte abschließen. Kaeser kann sich allerdings auch Partnerschaften mit anderen Unternehmen vorstellen. Jedenfalls sollen die betroffenen Bereiche in diesem Jahr bereits leicht profitabel sein, 2017 soll der Ertrag rund sechs Prozent des Umsatzes ausmachen. Dann seien die Probleme gelöst.

Und dann ist da noch das Energiegeschäft, speziell der Erzeugungsbereich Power & Gas. Der Markt hat sich radikal gewandelt. Kaeser sagte, er sei kleiner geworden, gleichzeitig herrsche hoher Wettbewerb. Doch das Umfeld ist das eine, offenbar ist der Bereich bei Siemens auch nicht richtig aufgestellt. Die Amerikanerin Lisa Davies, seit August 2014 im Vorstand für das Energiegeschäft verantwortlich, soll die Wende bringen und es mittelfristig wieder wettbewerbsfähig machen. Im Vergleich zur Konkurrenz, etwa dem US-Konzern GE, sind aus Sicht Kaesers die Kosten zu hoch. Das Konzept von Davies werde die Kosten um einen zweistelligen Prozentwert drücken, sagte er.

Zum einen soll die Art, wie Siemens Maschinen baut, geändert und dadurch effizienter werden. Es geht unter anderem auch um Standardisierung. Dann will Kaeser die Personalkosten drücken. Dazu gibt es ein neues Sparprogramm, bei dem 1600 Stellen in der Sparte Power & Gas gestrichen werden sollen, allein bis zu 400 davon im Berliner Gasturbinenwerk, einschließlich anderer Sparprogramme fallen bis zu 800 Stellen weg, wie die Gewerkschaft IG Metall in Berlin fürchtet. Das könnte an die Substanz gehen, sagte Klaus Abel, Erster Bevollmächtigter der Gewerkschaft in Berlin.

Markt in Europa schwächelt

Schließlich will Siemens die Belegschaft näher an die Märkte bringen. Große Turbinen stellt Siemens zum Beispiel in Berlin und im Schwesterwerk in Charlotte (US-Bundesstaat North Carolina) her. Der Markt in Europa liegt danieder, dafür planen die USA nach Kaesers Worten in den nächsten Jahren Gaskraftwerke mit einer Leistung von 250 Gigawatt. Daran will Siemens teilhaben. Der Bundesnetzagentur zufolge sind in Deutschland quer durch alle Erzeugungsarten Kraftwerke mit einer Leistung von knapp 200 Gigawatt installiert.

Power & Gas setzte im ersten Halbjahr 2015 rund 5,9 Milliarden Euro um, ein leichtes Plus von einem Prozent. Das Ergebnis brach von 1,1 Milliarden auf 0,7 Millionen Euro ein. Zuletzt hatte sich der Auftragseingang erholt. Im zweiten Quartal legte er im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent auf 3,1 Milliarden Euro zu. Der Konzern setzte im ersten Halbjahr 35,5 Milliarden Euro um, ein Plus von sieben Prozent.