Energiepolitik

Müller will 100 Prozent an der Gasag

Berlins Regierungschef irritiert die CDU. Unternehmensgewinn ist deutlich gesunken

– Wenn Vera Gäde-Butzlaff aufblickte von ihren Unterlagen, konnte sie durch die Fenster des Konferenzsaales oben in der Gasag-Zentrale am Hackeschen Markt den Turm des Roten Rathauses sehen. Die langjährige Chefin der Berliner Stadtreinigung und neue Gasag-Chefin stellte am Donnerstag ihre ersten Jahreszahlen als Vorstandsvorsitzende des Energieversorgers und Gasnetzbetreibers vor. Diese standen jedoch im Schatten der Senatsentscheidung, die Privatisierung der Gasag nach 17 Jahren rückgängig machen zu wollen.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) gab am Donnerstag im Abgeordnetenhaus die Devise aus: „Wir gehen mit dem Ziel in die Verhandlungen, 100 Prozent zu bekommen.“ Müller sprach damit nur für die SPD. Die CDU hat kein großes Interesse an einer Komplettübernahme der Gasag.

Die erfahrene Managerin Gäde-Butzlaff wollte sich nicht zu einer möglichen Übernahme durch das Land äußern. Das betreffe ihre Aktionäre Eon, Vattenfall und Gaz de France. Sie schilderte, wie sich der Gashändler und Gasnetzbetreiber schrittweise wandelt, jetzt auch Öko-Strom verkauft, Blockheizkraftwerke baut, in Energieeffizienz investiert, sich als Energiedienstleister positioniert und auch in Windkraft investieren will. „Jeder Eigentümer wird diesen Weg weitergehen“, sagte Gäde-Butzlaff. Sie wies auch auf einen Widerspruch im Senatsbeschluss hin. Darin heißt es, Berlin wolle sich nicht an Energiehandel beteiligen. „Das genau ist aber unser Geschäft“, sagte die Gasag-Chefin.

Die Gasag hatte sich schon unter ihrem Vorgänger Stefan Grützmacher als der Klimaschutzpartner und das künftige Stadtwerk Berlin angepriesen und beispielhafte Energiemanagement-Projekte wie im Ullsteinhaus umgesetzt. In der Bilanz des Unternehmens machen diese neuen Aktivitäten aber immer noch maximal zehn Prozent aus, inklusive des Stromverkaufs. 30.000 Kunden beziehen von dem früheren Gasunternehmen inzwischen ihre elektrische Energie.

Dennoch sind die Zahlen der Gasag ernüchternd und zeigen auch das Risiko des Gas-Geschäftes. Vor allem wegen des milden Winters ging der Umsatz von 1,3 auf 1,09 Milliarden Euro zurück. Der Gewinn schrumpfte von 95,2 auf 32,3 Millionen Euro. Zwei Drittel davon stammen aus dem Gasnetzbetrieb, über dessen Konzession Land und Gasag derzeit vor Gericht liegen. Die Industrie- und Handelskammer sieht den geplanten Einstieg des Landes kritisch. Bisher habe es geheißen, der Senat wolle sich nur an den Energienetzen beteiligen. Stattdessen sollten Unternehmen und Bürger dafür haften, dass ein komplett landeseigenes Unternehmen im Wettbewerb Strom und Gas handelt, Blockheizkraftwerke baut oder Energiedienstleistungen anbietet. Das habe nichts mehr mit der Sicherung von Daseinsvorsorge zu tun, kritisierte IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder.