Griechenland-Krise

Einführung einer Parallelwährung

Das Szenario: Für die Griechen daheim wäre es eine bittere Botschaft. Sollte das Land vor der Pleite stehen und seine Staatsdiener nicht mehr bezahlen können, hätte die Regierung die Option, die Beamten mit Schuldscheinen zu entlohnen, die nur im Inland als Zahlungsmittel gelten. So könnte eine Parallelwährung entstehen. Die neuen Schuldscheine werden gegen Euro getauscht und umgekehrt. Mit dem neuen Geld könnten Löhne und Gehälter sowie lebensnotwendige Importe bezahlt werden, ohne dass das Land an die knappen Euro-Reste in der eigenen Kasse gehen müsste. Um einem Ansturm auf die Kreditinstitute vorzubeugen, müssten auch in diesem Fall Kapitalverkehrskontrollen eingeführt werden. Auch müssten die Geldgeber Griechenland weiter stützen.

Vorteile: Der klamme Staat könnte seinen Verpflichtungen nachkommen. Er könnte Löhne und Pensionen zahlen und damit für Ruhe im Land sorgen. Eine Parallelwährung würde es aber auch Exportunternehmen erlauben, die Löhne zu senken. Einerseits würde der Euro-Austritt also vermieden, andererseits wäre de facto eine Anpassung des Wechselkurses möglich.

Nachteile: Der Kurs zwischen beiden Währungen würde extrem schwanken, die Parallelwährung stark abwerten. Damit käme es zu starken politischen Verwerfungen. „Ein Parallelwährungssystem in Griechenland wäre weder wirtschaftlich noch politisch stabil“, sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Nur für einen ganz kurzen Zeitraum seien einzelne Schuldscheine vorstellbar. Und ähnlich kritisch sieht man das bei den Wirtschaftsforschern von Bruegel in Belgien: „Auf lange Sicht wäre eine Parallelwährung nicht sehr praktikabel“, heißt es bei dem Brüsseler Think Tank.

Wahrscheinlichkeit: mittel