Griechenland-Krise

Pleite mit einer Hintertür

Das Szenario: Die EU und Griechenland einigen sich nicht auf ein Reformprogramm. Athen kann seine Schulden gegenüber dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht mehr bedienen. Die Griechen sind pleite. Die Europäische Zentralbank schickt Athen dennoch nicht sofort in die Insolvenz. Sie hält eine Notfallversorgung für griechische Banken aufrecht. Kapitalverkehrskontrollen werden eingeführt, der Zugriff für Griechen auf ihre Sparguthaben wird beschränkt. Die EZB setzt Griechenland eine Frist, in der es sich mit seinen Geldgebern einigen muss. Das gelingt.

Vorteil: Ein solches Szenario halten viele Experten für nicht unwahrscheinlich. Vielleicht muss Griechenland einmal tief in den Abgrund schauen, um umzuschwenken. Vielleicht würde so ein Verhalten auch zu einem Regierungswechsel führen. Und wenn es am Ende zu einer Einigung käme, wären solche harten Maßnahmen für eine kurze Übergangszeit wohl auszuhalten. Gänzlich unerprobt ist so ein Fall ohnehin nicht: Die Zyprioten erlebten das vor fast zwei Jahren.

Nachteile: Derart harte Maßnahmen sind mit hohen Risiken verbunden. Denn Kapitalverkehrskontrollen schneiden ein Land vom internationalen Kapitalmarkt ab, dadurch kann es zu Turbulenzen in der Wirtschaft kommen. Und für längere Zeit ist ein beschränkter Zugriff auf Sparguthaben nur schwer zu rechtfertigen – zumal das den Prinzipien der EU widerspricht. In der Realität lässt sich so ein Szenario daher nur als Übergangslösung vorstellen, und nur mit dem Ziel, den Griechen die Zeit für eine Umkehr zu geben. Tut sich in Athen in einem überschaubaren Zeitraum allerdings zu wenig, muss die EZB den Banken des Landes die Notkredite verweigern.

Wahrscheinlichkeit: hoch